Full text: Das Hotel- und Gastgewerbe

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DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE 
blauen Adria, lieber sein würde, wenn es anders wäre und wenn 
der Gast drei Tassen Kaffee anstatt sechs Gläser Wasser trinken 
würde. Dann wäre aber auch, davon bin ich überzeugt, der Reiz 
und der Charme, das nicht in Worten Ausdrückbare jener 
Kaffeehäuser dahin. Dann würden jene Länder und Städte, die 
ich als eigentliche Urheimat des echten, des wirklichen „Kaffee- 
hauses‘“ bezeichnen möchte, aber auch einer Anziehungskraft 
und eines urwüchsigen Zaubers beraubt sein, die durch nichts 
zu ersetzen wären. Damit schwände eine billige und doch 
unbezahlbare Werbekraft, brächte man sich selbst um Propa- 
gandamöglichkeiten, die vorhanden sind, die an den Straßen 
liegen, und die man nicht erst künstlich suchen und beleben 
mußte wie so manche der Werbemittel, wovon in diesem Buche 
gesprochen wird. 
Ich weiß nicht, ob es mir gelungen ist, den Propagandawert 
und die ganz unbewußte Werbekraft jenes Kaffeehauses zu 
schildern, das wir nur in den Ländern finden, wo auch die 
Menschen für ein solches Kaffeehaus existieren. Menschen, die 
ihr Leben im Kaffeehaus leben. Die dort ihre zweite Heimat 
sehen. Die dort ihre Geschäfte abwickeln. Von denen man 
bombensicher weiß, daß sie zwischen drei und sieben Uhr 
nachmittags in „ihrem Kaffeehaus‘ zu treffen sein werden, 
wenn man ihrer auch sonst niemals habhaft werden kann. 
Jenes Kaffeehaus, in dem die Frauen und Töchter jener Länder 
schon heimisch waren, als in Deutschland die Frau, das junge 
Mädchen allein höchstens in einer Konditorei einkehren durften. 
Es ist das Kaffeehaus, das uns steiferen, kaltblütigeren, unruh- 
volleren Bewohnern der nördlichen Teile Europas es angetan 
hat. Das unsere stille Liebe ist. In dem wir stundenlang sitzen 
möchten, obwohl wir innerlich bei dem Gedanken erschrecken, 
daß wir im Kaffeehaus geschäftliche Besuche empfangen, dort 
Geschäfte abwickeln, dort und nicht im nüchternen Kontor 
wohl gar Umsätze in Höhe von Tausenden oder Hundert- 
tausenden tätigen sollten. 
Man muß es in den Heimatländern des echten Kaffeehauses 
wissen und man soll es sich gut merken: Was uns zu ihnen 
zieht, was für uns ihre Eigenart, ihr charakteristisches Gepräge 
ausmacht, daran haben ihre interessanten, für uns originellen 
und originalen Kaffeehäuser nicht den kleinsten Anteil. Darin 
liegt ihr Werbewert. Sie sind Stützpunkte des Fremdenverkehrs 
und sie können zu internationalen Propagandahelfern aller-
	        
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