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DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
Berlin . folgte viele Jahre später, 1721. Friedrich der Große,
Gegner des Kaffees, errichtete Staatskaffeebrennereien, mono-
polisierte 1781 den Kaffeehandel, und noch heute lesen wir mit
Vergnügen yon den ‚Streichen seiner „Kaffeeschnüffler‘“, die
nach verbotenen Kaffeebaumfrüchten forschten. 2
So: sahen die bescheidenen Anfänge des Kaffeehauses aus.
Von der Mehrzahl der östlichen Länder, wo das Kaffeehaus
heute zu den landestümlichen und bodenständigen Einrich-
tungen zählt, wissen wir über die Anfänge wenig oder nichts.
Dagegen ist es nicht verwunderlich, daß das eigentliche Geburts-
land des europäischen Kaffeehauses, Italien, eines der ältesten
Kaffeehäuser besitzt. Es ist das Caf/€ Greco in der Via Condotti
zu Rom, mit dem ich den Leser durch zwei interessante Bilder
näher bekannt mache. Dieses alte, historisch gewordene Kaffee-
haus blickt nachweislich auf die Kleinigkeit von mindestens
150 Lebensjahren zurück. Wahrscheinlich ist es noch viel älter;
vielleicht ist es überhaupt das erste, also älteste Kaffeehaus des
Okzidents. Trotz emsigster Nachforschungen ließ sich genaues
darüber noch nicht feststellen. Domenico Gnoli, Direktor der
Victor-Emanuel-Bibliothek in Rom, will an Hand eines von
ihm aufgefundenen Holzschnittes aus dem Jahre 1660 nach-
weisen, daß das Cafe Greco schon in der ersten Hälfte des
17. Jahrhunderts an seinem jetzigen Platze gestanden habe.
Nun, auf jeden Fall ist dieses römische Kaffeehaus eine
außerordentlich interessante Gaststätte. War es doch einst
Sammelpunkt aller Italien besuchenden Deutschen, wie über-
haupt aller Fremden „von Distinktion‘, und in der berühmten,
oftmals im Bilde festgehaltenen „Künstlerecke‘“ saß einstmals
auch einer der größten Deutschen, Wolfgang von Goethe. Zu
den illustren Gästen des Caf& Greco gehörten, ferner Goldoni,
Mendelssohn, Wagner, Rossini, Gounod, Bizet, Berlioz, Liszt,
Gogol, Mickiewicz, Schopenhauer, Lenbach, Rückert, Wilhelm
Müller und Thorwaldsen. Als Gründer dieses interessanten
Kaffeehauses gilt der Levantiner Nicola di Maddalena, doch ist
wahrscheinlich, daß die erste Kaffeewirtschaft, also das Urcafe
Greco, von einem Griechen errichtet wurde. Es ist charak-
teristisch, daß die Mehrzahl der alten und ältesten Kaffeehäuser
von Ausländern gegründet worden ist.
Da wir uns nun einmal in dem Lande der Mignon befinden,
wo die Zitronen blühn, im dunklen Laub die Goldorangen
glühn, will ich den Leser noch in eine andere, schöne und