Full text: Das Hotel- und Gastgewerbe

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DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE 
Inkarnation jener, Fröhlichkeit und Stimmung ausatmenden, 
von Leidenschaften durchtobten Pußta-Gaststätte, die mir vor- 
schwebte, als ich sang: „Ungarland, du schönes Land!“ Als ich 
mahnte: „Trinkt Tokayer, der gibt Feuer!“ Auf diesem lang- 
weilig gemütlichen Bild — beinahe sächsische Gemiedlichkeet 
— fehlt nur noch der meterlange Strickstrumpf mit dem dicken 
Wollknäuel auf dem Fußboden und die schnurrende, Pfötchen 
leckende Katze am Ofen, Nein, Herr Photograph, das ist keine 
Pußta-Stimmung. Das ist eine bürgerlich gewordene Kaschemme 
aus dem Berliner Norden. Nun, ich habe mir vorgenommen, 
recht bald nach dem Osten zu wandern, um das hochinter- 
essante Kaffeehausleben in jenen Ländern mit seinem ganzen 
Zauber wieder einmal auf mich einwirken zu lassen. Dann 
werde ich auch dem wunderschönen Budapest mit seinen vor- 
nehmen, gastlichen Hotels, mit seinen großartigen Heilbädern, 
mit seinen stimmungsvollen und lebhaften Kaffeehäusern einen 
Besuch machen. In meinem Programm habe ich natürlich auch 
einen wilden Ritt in die ungarische Pußta vorgesehen. Mit 
schönen Czikosmadeln und feurigem Tokayer. Dort will ich 
mich überzeugen, ob die Pußta-Gaststätte wirklich so langweilig- 
spießbürgerlich ist, wie mein Photograph es auf seinem Bilde 
weißmachen will. Ich glaube es nicht, ganz bestimmt nicht. 
Ungarn ist ein konservatives Land. Es hält treu an seinen 
wunderschönen alten Sitten und Gebräuchen fest. . Auch der 
Pußta-Zauber wird noch der alte sein, wie mein liebes Jugend- 
Trinklied: „Ungarland, du schönes Land!“ ihn mir unzählige 
Male vorgegaukelt hat. Hast du mich und uns aber beschwin- 
delt, ungetreuer Lichtbildner, so sei fürchterliche Strafe dir 
gewiß. Während ich mich im Pußtarestaurant, beim Jauchzen 
der Zigeunergeigen und feurigem Czardas, an köstlichem 
Tokayer ergötzen werde, sollst du verdammt sein, drei Liter 
Bomster Schattenseite zu trinken. Vor diesem Weine aus dem 
schlesischen Bomst hat Johannes Trojan, der Sänger vieler 
Trinklieder und langjährige Redakteur des „Kladderadatsch“, 
in seinem berühmten Weinlied mit herzbewegenden Versen 
gewarnt, . die also beginnen: „Wanderer, wenn du kommst 
Einmal nach Bomst — — —* 
Ich kann vom „Ungarland, du schönes Land“ nicht scheiden, 
ohne seines großen und unglücklichen Sohnes Lenau zu 
gedenken. Er hat der eigenartigen Stimmung seines. Heimat- 
Jandes in seinen Gedichten so manche neue, reizvolle Seite
	        
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