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DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
bitte. Auch hier trifft es, genau genommen, nicht zu, wenn ich
sage: „in“ ein Kaffeehaus. Denn wie in Madrid, so spielt sich
auch in Jerusalem das Leben, also auch das Kaffeehausleben,
in voller Öffentlichkeit ab. Die Gäste sitzen auf niedrigen
Hockern vor dem Kaffeehaus. Dort können sie stundenlang
verweilen, plaudern oder träumen. Denn der Orientale hat
einen anderen Begriff von der Zeit als wir unglücklichen
Europäer, die immer in der Hast und auf der ruhelosen Jagd
nach irgendeiner Utopie sind. Den Gästen dieses Jerusalemer
Kaffeehauses — Frauen gehören nicht dazu — sieht man es
an, daß die Zeit für sie nicht Geld ist. Time is money gilt nur
in Europa und in den U. S. A., obwohl auch jene Jerusalemer
Kaffeehausgäste den Begriff money sehr gut kennen und
durchaus nicht abgeneigt sind, recht viel davon einzusacken.
Was man am besten beobachten kann, wenn man in den
Basaren Jerusalems Einkäufe macht.
Anders, ich möchte sagen romantischer, sieht es in dem
türkischen Kaffeehaus aus, wohin ich den Leser nunmehr
führe. Nur fragt es sich, wie lange es seine Eigenart, die auf
dem kleinen Bild deutlich zu erkennen ist, noch bewahren
wird. Wir wissen aus interessanten Reiseschilderungen, daß
sich in der Türkei bemerkenswerte Änderungen vorbereiten.
Konstantinopel hat unlängst seinen Spielsaal erhalten, Kon-
kurrenz für Monte Carlo. Mit der Schöpfung einer ganz neuen,
modernen Hauptstadt haben die Umwandlungen intensiv
begonnen. Das Ziel der Bewegung ist Modernisierung des
Landes und seiner Einrichtungen. Wie der charakteristische
Fez schon auf den Aussterbeetat gesetzt worden ist, so werden
die malerischen Trachten, von denen das Bild eine schwache
Probe gibt, vielleicht auch bald nur noch in Museen gezeigt
werden. Es ist der Zug unserer Zeit. Das internationale Hotel
ist auch hier ein Bahnbrecher. Es macht den Orientalen mit
europäischem Leben und mit unseren Gewohnheiten bekannt.
Wahrscheinlich ist die Zeit nicht mehr fern, da man in der
Türkei wohl eine Schale türkischen Kaffee, aber in Kaffee-
häusern europäischen Charakters, bekommen wird.
Bevor wir von der Türkei scheiden, will ich ein Rezept für
echt türkischen Mokka verraten. Ich habe es von einer, selbst-
verständlich bildschönen, Haremsdame, mit der ich ein wenig
flirten konnte, weil ihr Herr und Gebieter gerade einer anderen
das Schnupftuch zuwarf. In einen Schnellsieder gieße man