Full text: Das Hotel- und Gastgewerbe

514 
DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE 
bitte. Auch hier trifft es, genau genommen, nicht zu, wenn ich 
sage: „in“ ein Kaffeehaus. Denn wie in Madrid, so spielt sich 
auch in Jerusalem das Leben, also auch das Kaffeehausleben, 
in voller Öffentlichkeit ab. Die Gäste sitzen auf niedrigen 
Hockern vor dem Kaffeehaus. Dort können sie stundenlang 
verweilen, plaudern oder träumen. Denn der Orientale hat 
einen anderen Begriff von der Zeit als wir unglücklichen 
Europäer, die immer in der Hast und auf der ruhelosen Jagd 
nach irgendeiner Utopie sind. Den Gästen dieses Jerusalemer 
Kaffeehauses — Frauen gehören nicht dazu — sieht man es 
an, daß die Zeit für sie nicht Geld ist. Time is money gilt nur 
in Europa und in den U. S. A., obwohl auch jene Jerusalemer 
Kaffeehausgäste den Begriff money sehr gut kennen und 
durchaus nicht abgeneigt sind, recht viel davon einzusacken. 
Was man am besten beobachten kann, wenn man in den 
Basaren Jerusalems Einkäufe macht. 
Anders, ich möchte sagen romantischer, sieht es in dem 
türkischen Kaffeehaus aus, wohin ich den Leser nunmehr 
führe. Nur fragt es sich, wie lange es seine Eigenart, die auf 
dem kleinen Bild deutlich zu erkennen ist, noch bewahren 
wird. Wir wissen aus interessanten Reiseschilderungen, daß 
sich in der Türkei bemerkenswerte Änderungen vorbereiten. 
Konstantinopel hat unlängst seinen Spielsaal erhalten, Kon- 
kurrenz für Monte Carlo. Mit der Schöpfung einer ganz neuen, 
modernen Hauptstadt haben die Umwandlungen intensiv 
begonnen. Das Ziel der Bewegung ist Modernisierung des 
Landes und seiner Einrichtungen. Wie der charakteristische 
Fez schon auf den Aussterbeetat gesetzt worden ist, so werden 
die malerischen Trachten, von denen das Bild eine schwache 
Probe gibt, vielleicht auch bald nur noch in Museen gezeigt 
werden. Es ist der Zug unserer Zeit. Das internationale Hotel 
ist auch hier ein Bahnbrecher. Es macht den Orientalen mit 
europäischem Leben und mit unseren Gewohnheiten bekannt. 
Wahrscheinlich ist die Zeit nicht mehr fern, da man in der 
Türkei wohl eine Schale türkischen Kaffee, aber in Kaffee- 
häusern europäischen Charakters, bekommen wird. 
Bevor wir von der Türkei scheiden, will ich ein Rezept für 
echt türkischen Mokka verraten. Ich habe es von einer, selbst- 
verständlich bildschönen, Haremsdame, mit der ich ein wenig 
flirten konnte, weil ihr Herr und Gebieter gerade einer anderen 
das Schnupftuch zuwarf. In einen Schnellsieder gieße man
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.