DAS KAFFEEHAUS IN SEINER HEIMAT 515
soviel Wasser, als man kleine Tassen Kaffee bereiten will, und
dazu für jede Tasse 1% bis 2 Stückchen Würfelzucker. Sobald
das Zuckerwasser siedet, schüttet man den hellgebrannten, fein-
gemahlenen Kaffee (2 Kaffeelöffel voll auf eine Tasse
gerechnet) hinein, läßt den Kaffee etwa 10 Minuten lang kochen
und schöpft den sich bildenden Schaum ab. Der fertige Kaffee
wird in kleine Tassen gegossen und obenauf in jede Tasse
etwas von dem abgenommenen Schaum getan.
Mein nächstes Bild, eine chinesische Bar in San Francisco,
weckt interessante Reminiszenzen. Das Photo stammt aus einer
Zeit, da die Vereinigten Staaten von Nordamerika noch nicht
trocken gelegt waren. Die Kunst der Bereitung von American
drinks wurde drüben noch liebevoll gepflegt. Es gab auch genug
Liebhaber dieser feuchtfröhlichen Kunst. Eine seltsame Ironie
des Schicksals will es, daß der Amerikaner nun nach Europa
reisen muß, wenn er Gast einer American Bar sein und wenn
er American drinks genießen will. So kann einseitig orientierte
Gesetzgebung, die das Kind mit dem Bade ausschüttet, die
Verhältnisse auf den Kopf stellen. Es ist bekannt, daß San
Francisco, diese ehemalige Goldgräberkolonie, ein umfang-
reiches chinesisches Stadtviertel hat, worin unverfälschtes
chinesisches Leben sich abspielt. Die interessante Bar stand
einst in jenem Chinesenviertel. Vielleicht wird jetzt Limonade
und Sodawasser offiziell dort verkauft, während inoffiziell, also
heimlich und unheimlich teuer, kräftigere Getränke zu haben
sind. Die Folgen einer Gesetzemacherei, die wohl Gutes will,
aber Böses schafft. Für uns ein warnendes Menetekel! Den
Chinesen in dieser Bar hängt der Zopf immer noch hinten.
Auch daraus erkennen wir, daß es sich um eine Aufnahme
handelt, die schon einige Jahre zurückliegt. Der Chinese will
sich ebenfalls modernisieren. Er legt den Jahrtausende alten
Zopf ab und seine nicht mehr auf hohen Stöckelschuhen
trippelnden Frauen und Mädchen tragen Bubikopffrisur. So
ändern sich die Zeiten. Nur den europäischen Bureaukraten
soll der Zopf zuweilen immer noch hinten hängen. Aber die
Zeit, oder sagen wir Mister Chronos, schleift schon die große
Schere, womit er diese verstaubten Zöpfe abschneiden wird.
Wieder ein kleiner Sprung. Im Geist. Aber im Zeitalter der
Flugzeuge werden solche Gedankensprünge wohl bald reale
Wirklichkeit werden. Dann kann der Europäer seinen Nach-
mittagstee in einem japanischen Teehaus einnehmen, wie ich