DAS KAFFEEHAUS IN SEINER HEIMAT 519
zeugung muß ich also abraten, in Europa ein „echt chinesisches‘
Restaurant zu eröffnen. Aus dem gleichen Grunde habe ich
davon abgesehen, ein solches urwüchsiges chinesisches Volks-
speisehaus im Bild vorzuführen. Man könnte sagen, das Essen
mit Bambusstäbchen, auf der Erde hockend, ohne Eßtisch, sei
nicht ästhetisch. Wir wollen lieber bei Messer, Gabel und Löffel
bleiben. Die unpraktischen Bambusstäbchen können uns
ebenso gestohlen bleiben, wie die silbernen Bestecks in unseren
Hotels und Restaurants leider immer noch gestohlen werden.
Nicht minder originell ist das arabische Wander-Restaurant,
das uns ein Stück ägyptischen Lebens vortäuscht. Auch hier
erkennen wir wiederum den Orient mit seinen schroffen Gegen-
sätzen, der die Frauen hinter die fensterlosen Mauern des
Harems verbannte, während das Leben sich vor den Häusern
auf der Straße abspielte. Gar mancher Leser meines Buches
wird Ägypten aus eigener Anschauung kennen. Ihnen sind
daher Erscheinungen, wie das im Bild vorgeführte fliegende
Restaurant, nichts Ungewöhnliches. Was heißt übrigens „unge-
wöhnlich“? Der Araber, der auf offener Straße den Wirt spielt
und seine Leckerbissen feil hält, würde vielleicht ebenso
komisch berührt gewesen sein, wie wir von diesem arabischen
Wander-Restaurant, wenn er in der Friedrichstraße zu Berlin
nachts plötzlich dem „Wurstmaxe‘“ gegenübergestanden hätte.
Wurstmaxens Blütezeit war vor dem Kriege. In Lackschuhen
und mit dem Zylinder auf dem Kopfe verkaufte dieser tüchtige
„fliegende“ Geschäftsmann auf offener Straße, nachts, „heiße
Wiener Würstchen“ aus Berlin N. Er würzte sie seinen Kunden
mit dem sarkastischen und treffenden Berliner Witz, der genau
so bodenständig ist wie das arabische Wander-Restaurant.
Wir wollen unsere Reise in einem Kaffeehaus Arabiens
beschließen, des Landes, das für uns Europäer als die Heimat
des braunen, köstlichen Trankes gilt. Obwohl das nicht ganz
stimmt. Wie der Kaffee aus Arabien nach dem Okzident
gewandert ist, so soll er dort aus Persien eingeführt worden
sein. Madame Historia erzählt, daß ein Mufti von Aden,
namens Gemaleddin Aldhabani, die Frucht des Kaffeebaumes
aus Persien mitgebracht und getrunken habe, um sich zum
nächtlichen Gebet munter zu erhalten, Seine Landsleute folgten
diesem Beispiel und bald war das Kaffeetrinken in ganz
Arabien so allgemein geworden, daß es um die Mitte des
16. Jahrhunderts auch in Konstantinopel Sitte wurde. Die