DAS KAFFEEHAUS IN SEINER HEIMAT 523
2. Er wird dafür sorgen, daß von jenen befreundeten
Betrieben immer ein genügender Vorrat von Empfehlungs-
karten, Faltprospekten und Werbebroschüren im Bureau und
beim Portier vorhanden ist.
3. Der Hotelbesitzer oder Direktor wird dafür sorgen, daß
das Personal, insbesondere die vorgenannten Kategorien, über
die Adressen der befreundeten Häuser unterrichtet sowie über
etwaigen Wechsel der Beziehungen oder neuangeknüpfte Ver-
bindungen ständig auf dem Laufenden gehalten werden.
Selbstverständlich müssen diese Angestellten auch die Anwei-
sung bekommen, daß dem anfragenden Gast sofort eine Emp-
fehlungskarte und ein Faltprospekt oder eine Werbebroschüre
des empfohlenen Hauses übergeben wird. Daran ist die Bitte
zu knüpfen, der Gast möchte sich auf das empfehlende Haus
bei der Ankunft beziehen, dann würde er in dem empfohlenen
ganz besonders gut empfangen und bedient werden.
Vor dem Weltkrieg war es in manchen Häusern Sitte, dem
fragenden Gast eine schriftliche Empfehlung, schnell auf die
Rückseite der Empfehlungskarte hingeworfen, mitzugeben. Ich
weiß nicht, ob das ratsam ist. Der Gast könnte dadurch miß-
trauisch gemacht und es könnte das Gegenteil des beabsichtigten
Zweckes erreicht werden. Er meidet das empfohlene Haus
womöglich ganz, weil er der übertriebenen Empfehlung
mißtraut.
Es ist angebracht, gerade bei dieser Gelegenheit auf das schon
so oft zurückgewiesene Märchen von den „Geheimzeichen‘“ auf
den Koffern zu erinnern. Immer wieder wurde es aufgewärmt
und in der Presse als wahre Tatsache verkündet, obwohl es
niemals gelungen ist, auch nur einen einzigen Koffer mit jenem
sagenhaften ‚„Geheimzeichen‘“ als Zeugen beizubringen. Be-
kanntlich sollte, angeblich, ein bestimmtes Kreidezeichen, an
unauffälliger Stelle auf dem Koffer des abreisenden Gastes
angebracht, dem Personal im nächsten Hotel verraten: Der
Kofferbesitzer gibt generöse Trinkgelder! Ein anderes Zeichen
sollte verkündet haben: Mittelmäßige Trinkgelder! Wieder ein
anderes: Der Kofferbesitzer ist ein Knicker! Dieses Märchen ist
von harmlosen Kindergemütern unter den Reisenden immer
wieder geglaubt worden, und ich darf, bei der NeiaunS vieler
Menschen zum Mißtrauen, wohl annehmen, daß die Überklugen
oder Überempfindlichen in der schriftlichen Empfehlung so