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DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
Meinung, daß die Mentalität und die Psyche des Amerikaners
bei der europäischen Werbung und Reklame viel zu wenig
beachtet werde. Die Reklame irgendeines einzelnen Hotels in
Amerika sei nahezu wertlos. Sie interessiere den Amerikaner
gar nicht, denn für ihn komme die Wahl des Hotels erst in
dritter oder vierter Linie. Zuerst komme die Frage: Mache ich
überhaupt einen Trip nach dem alten Erdteil? Zweitens:
Welche Länder werde ich besuchen? Drittens: Welche Gegenden
und Städte? Die Unterkunftsfrage entscheide sich dann ganz
von selbst. Jedwede Art europäischer Verkehrswerbung müsse
deshalb prinzipiell darauf eingestellt sein, den Amerikaner für
den Besuch des eigenen Landes zu interessieren und zu
gewinnen. Die Richtigkeit dieser amerikanischen Einstellung
wird jeder bestätigen können, der einmal mit offenen Augen
in Amerika gereist ist oder die dortigen Verhältnisse wenigstens
in der Theorie gründlich studiert hat. Die Kenntnis und
Beachtung dieser Tatsache ist für den Hotelbesitzer auch
deshalb wichtig, weil die Zeitungsreklame in den U, S. A. sehr
kostspielig ist. Die für ganz zwecklose Inserate eventuell bereit-
gestellten Mittel können also für geeignetere Werbung ver-
wendet werden.
Ähnlich liegen die Dinge bei der Werbung in Asien, in Nord-
und Südafrika und in Australien. Hier sei eingeschaltet, daß
Südafrika und Australien bei unserer Auslandswerbung sehr zu
Unrecht etwas stiefmütterlich behandelt werden. Von Australien
hat sich zum Beispiel im Frühjahr 1925 eine wahre Hochflut
von Touristen nach Europa ergossen, und auch die Dampfer-
linien, die Europa mit der Südafrikanischen Union verbinden,
waren mit Europafahrern überfüllt. Man suggeriere diesen
Pilgern in die Alte Welt, die fast immer mit einem mehr-
monatigen Aufenthalt rechnen, den Besuch des eigenen Landes!
Geschieht es geschickt, wird es auch immer Erfolg bringen.
Denn wenn der Australier, der Südafrikaner, der Asiate nach
Europa reist, dann will er recht viel sehen!
Fast ebenso wie in Nordamerika liegen die Verhältnisse in
den größeren Staaten von Zentral- und Südamerika. Dort sind
in den letzten Jahren auch in politischer Beziehung gesündere
Verhältnisse eingezogen und der Weltkrieg mit seinen Um-
wälzungen hat eine neue Schicht von Reichen und Wohl-
habenden geschaffen. Diese sind nicht abgeneigt, einen Teil
ihres Überflusses in Europa zu verzehren. Man lege ihnen das