DIE PROPAGANDA IM AUSLAND
A
will und Lady Buckingham sowie andere. Kronprinz Olaf von
Norwegen trifft dieser Tage zu längerem Aufenthalt in Wengen
ein. Als Mitglied des Oxford University Skiklubs wird Kron-
prinz Olaf bei einer der nächsten Springkonkurrenzen an der
Jungfrauschanze starten.“
in unauffälliger und unaufdringlicher Weise wird hier in
einem Atemzuge für fünf schweizerische Kurorte kostenlos Re-
klame gemacht. Man arbeite diese Notiz in echt amerikanischem
Geiste um, schneide sie auf die amerikanische Gesellschaft zu
und lasse die Handlung in Städten oder Kur- und Badeorten
der Heimat spielen. Etwa so: Zu den prominenten Gästen des
Olympia-Hotels in Frohwinkel zählen seit kurzem Mrs. und Mr.
Verywell aus Cincinnatti, denen der Ruf vorauseilte, daß Mrs.
Verywell eine der besten und graziösesten Tänzerinnen der
Alten und Neuen Welt sei, während Mr. Verywell zu den erfolg-
reichsten amerikanischen Börsenkönigen der letzten zehn Jahre
gehört. Unsere Landsleute erregen in der guten, internationalen
Gesellschaft Frohwinkels berechtigtes Aufsehen und Anmeldun-
gen amerikanischer Gäste in Frohwinkel und im Olympia-Hotel
haben sich seit dem Eintreffen von Mrs. und Mr. Verywell auf-
fällig gehäuft. — Oder: Der berühmte amerikanische Schrift-
steller Optun Clinsair, dessen Buch „The Marsh‘ vor Jahren
so ungeheures Aufsehen machte und zu einer gründlichen Re-
form der Chicagoer Schlachthäuser Veranlassung gab, ist im
Eliland-Hotel in Ypsilonstadt eingetroffen. In der dortigen Ge-
sellschaft, die unsern Landsmann mit offenen Armen empfing,
erzählt man sich, daß er Studien über die Zustände während
der furchtbaren deutschen und österreichischen Inflations-
Periode machen wolle. Die Leitung des Eliland-Hotels bereitet
eine besondere Ehrung für unseren berühmten Landsmann vor.
Mit solchen gesellschaftlichen Notizen, die unserem Ge-
schmack nicht sonderlich zusagen, würde man die Psyche des
Amerikaners treffen. Man würde ihn reizen, den Gedanken zu
erwägen: wie sein Landsmann Mr. Verywell auch einmal pro-
Minenter Gast Frohwinkels sowie des Olympia-Hotels zu werden.
Der Zweck heiligt die Mittel, das trifft bei der Reklame mehr
loch als bei irgend etwas anderem zu.
Auch beim Bild sollte man auf diese Besonderheit des
Amerikaners Rücksicht nehmen und die gewohnten Bahnen
verlassen, selbst wenn man persönlich vielleicht eine andere
Einstellung hat. Es darf nicht vergessen werden, daß bei der