Full text: Die politische Ökonomie des Rentners

Der Gesichtspunkt der Produktion u. d. Gesichtspunkt der Konsumtion 59 
Dingen aus, keine „gegenständliche Tätigkeit‘, sondern eine ge- 
wisse Beziehung zu einem gleichbleibenden Gegebenen. Deshalb 
kann auch dieser Nutzbegriff in solchen Beispielen mit Erfolg 
angewandt werden, in denen als handelnde Personen „Schiff- 
brüchige‘‘, „Kurzsichtige‘‘ auf unbewohnten Inseln, hungernde 
„Reisende‘“ und ähnliche Mißgeburten einer Professorenphantasie 
erscheinen. 
Es ist jedoch klar, daß ein derartiger Gesichtspunkt von vorn- 
herein jede Möglichkeit ausschließt, die gesellschaftlichen Phäno- 
mene, sowie deren Entwicklung zu begreifen. Die Triebkraft der 
letzteren ist das Wachstum der Produktivkräfte, der Produktivi- 
tät der gesellschaftlichen Arbeit, die Erweiterung der produktiven 
Funktionen der Gesellschaft. Ohne Konsumtion gibt es keine 
Produktion — dies steht außer jedem Zweifel: die Bedürfnisse 
bilden immer den Beweggrund einer jeden wirtschaftlichen Tätig- 
keit. Andererseits wirkt aber auch die Produktion auf das ent- 
schiedenste auf die Konsumtion ein. In dreierlei Weise macht 
sich nach Marx dieser Einfluß geltend: erstens, indem die Pro- 
duktion das Material für die Konsumtion schafft, zweitens, 
indem sie ihre Weise, d. h. ihren qualitativen Charakter be- 
stimmt, und endlich drittens, indem sie neue Bedürfnisse 
schafft®. 
So ist der Tatbestand, wenn wir die Wechselbeziehungen 
zwischen Produktion und Konsumtion im allgemeinen betrach- 
ten, d. h. ohne irgendwelche Beziehung auf eine bestimmte, ge- 
schichtlich gegebene Struktur. Bei der Betrachtung des Kapitalis- 
mus kommt aber noch ein wichtiges Moment hinzu, und zwar, 
mit Marx gesprochen: ‚„,...das ‚gesellschaftliche Bedürfnis‘, d. h. 
das, was das Prinzip der Nachfrage regelt, (ist) wesentlich be- 
dingt durch das Verhältnis der verschiedenen Klassen zueinander 
und durch ihre respektive ökonomische Position, namentlich also 
erstens durch das Verhältnis des Gesamtmehrwerts zum Arbeits- 
lohn und zweitens durch das Verhältnis der verschiedenen Teile, 
worin sich der Mehrwert spaltet (Profit, Zins, Grundrente, 
Steuern usw.°. Dieses Verhältnis der Klassen zueinander wird 
aber wiederum unter dem Einfluß des Wachstums der Produk- 
tivkräfte formiert und verändert. 
Und so sehen wir vor allem: die Dynamik der Be- 
dürfnissewirddurchdieDynamik der Produk- 
%® „Die Produktion produziert die Konsumtion..., 1. indem sie ihr das 
Material schafft, 2. indem sie die Weise der Konsumtion bestimmt, 3. indem sie 
die erst von ihr als Gegenstand gesetzten Produkte als Bedürfnis im Kon- 
sumenten erregt“, Karl Marx: „Einleitung zu einer Kritik usw.“, S. XXV. 
Karl Marx: „Kapital“, Bd. III, 1; Teil, 8. 160.
	        
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