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-DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
diesem Tage will er seine Frau frei wissen von der häuslichen
Arbeit. Gibt es doch so viele gute Gaststätten, wo man zu an-
gemessenen Preisen vortrefflich essen und sich auch ein
Fläschchen guten deutschen Weines zu Gemüte führen kann,
ohne sich über Gebühr zu verausgaben.“
Stichtag für den Beginn der Werbekampagne war der 13. Fe-
bruar 1926. An diesem Tag erschien in der Zeitschrift „Die
Woche“‘, als Einleitung zu einem wirtschaftlichen Sonderteil,
das Bildchen des aufmerksamen Ehemannes nebst knapper
Unterschrift, begleitet von einem erläuternden Prosatext aus
meiner Feder sowie von weiteren Aufsätzen über die genannten
Wirtschaftsgebiete,
An dem gleichen Tage begannen alle Hotels und Gaststätten,
die sich an der Werbung beteiligten, mit dem Aushang eines
Sonderabdruckes dieses Bildes. Aber nicht nur die Hotels und
Gaststätten, sondern auch andere Gewerbetreibende, nament-
lich solche, denen diese großzügige Werbekampagne indirekt
mit zugute kam, hingen den „Aufmerksamen Ehemann“ eben-
falls in ihren Geschäftsräumen auf. Von dem Bild waren auch
Postkarten hergestellt worden, die beim Beginn der Werbe-
kampagne in den Gaststätten bereitgehalten, an die Gäste ver-
kauft und von diesen auch mit schmunzelndem Behagen in
Tausenden von Exemplaren verschickt worden sind.
Das zweite Bild zeigt uns an einem Beispiel, in welch ge-
schickter Weise manche Tageszeitungen die Werbeaktion
unterstützt, sie aber auch gleichzeitig in ihren eigenen Dienst
gestellt haben. Das eben ist das Großzügige an dieser Aktion:
wenn sie auch die Presse an ihren Wagen spannte — die damit
ein gutes Werk tat —, so gab sie ihr, insofern sie nur ein wenig
vigilant war, auch eine gute Gelegenheit, sich durch diese
Werbung eine laufende Einnahmequelle zu sichern. Hier traf
das lateinische Sprichwort also tatsächlich zu: Manus manum
lavat.
An weiteren Beispielen will ich zeigen, wie man ein derartig
ungewöhnliches Werbeproblem auch poetisch anpacken kann,
ohne daß sofort der Reklamecharakter solcher Gedichte deut-
lich wird. Aus einer Anzahl von Scherzgedichten, die ich im
Interesse des „Aufmerksamen Ehemannes‘“ verbrochen habe,
gebe ich folgende Beispiele mit dem ausdrücklichen Bemerken
wieder, daß ich ihre beliebige Verwendung gern gestatte, Nur
bitte ich, mir in solchen Fällen von den betreffenden Druck-