384
DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
Ewald schmunzelte. „Elly ist ein Schelm. Es geht ihr zu gut bei mir,
darum wird sie leicht übermütig. Die Sache ist so: Wir speisen Sonn-
tags stets auswärts, und zwar in dem behaglichen, urgemütlichen
Restaurant des Zentralhotels. Die Küche ist ungewöhnlich gut gepflegt,
und es speisen viele junge und auch alte Ehepaare dort. Lauter auf-
merksame Ehemänner, die es nicht haben wollen, daß sie selbst am
Sonntag nichts tun, während die eigene Frau besonders hart in der
Küche heran muß.“
Evas Augen waren groß geworden: „Hörst du, Heinz? So etwas gibt
as! Nur nicht bei Plauts. Bei Plauts muß die Frau bis um ein Uhr in
der Küche schwitzen, dann sich hastig anziehen, um, fröhlich plaudernd,
aber völlig appetitlos, mit dem Gatten sonntäglich zu speisen. Darauf muß
sie sich nochmals umziehen, schön machen, damit der Mann zu seinem
Sonntagsausflug kommt. ©O, es ist ein herrlicher Genuß, abgespannt,
heiß und erregt auf die überfüllte Elektrische zu warten, um einen
‚Vergnügungs‘-Ausflug zu machen.“
„Du wirst bitter“, warf Heinz ein, aber er sagte es unsicher. „Doch
ich will dir nicht Unrecht geben. Wir Männer sind Egoisten, und wir
sind auch noch gedankenlos. Obwohl ich kürzlich in vielen Zeitungen
und Zeitschriften von einer Art Feldzug gegen die ‚unaufmerksamen‘
Ehemänner las, habe ich mir bei dieser Lektüre doch nichts gedacht.“
„Im Himmel ist mehr Freude über einen wiedergefundenen verlorenen
Sohn, als über tausend Gerechte“, unterbrach Elly den Gatten der
Freundin. „Zur Belohnung nehmen wir Sie hiermit feierlich in die
Gilde der aufmerksamen Ehemänner auf.“
„Tausend Dank, verehrte gnädige Frau“, erklärte Heinz und machte
ein zerknirschtes Gesicht. „Bubi wird künftighin brav sein und seine
kleine Frau mit ihrem Bubenkopf an allen künftigen Sonn- und Feier-
tagen ins Zentralhotel zum Mittagmahl führen. Als sichtbares Zeichen
meiner Bekehrung zum aufmerksamen Ehemann bitte ich Sie, meine
Einladung anzunehmen und mit mir und Eva in jenem Auto, dessen
Chauffeur schon lange aufmunternde und einladende Blicke herüber-
wirft, nach Schloß Solitude zu fahren. Als aufmerksamer Ehemann
werde ich meiner kleinen Frau doch nicht zumuten, sich in eine über-
füllte Elektrische zu quetschen, um, abgespannt und nervös, das ‚Ver-
gnügen‘ eines sogenannten Sonntagsnachmittagsausfluges zu genießen.“
„Du Guter!‘ sagte Eva zärtlich und der nervöse Zug war mit einem
Schlage aus ihrem reizenden Gesichter] verschwunden, „Du — du — —
du aufmerksamer Ehemann!“
WEISST DU ES AUCH?
Wichtige Kalenderdaten soll man sich merken. Ein solch bemerkens-
werter Tag war der 13, Februar 1926. An ihm erblickte der „Auf-
merksame Ehemann“ das sogenannte Licht der Welt. Es ist der Ehe-
mann, an dem jede Frau, ob jung oder alt, ihre herzinnige Freude haben
wird, wenn er sich auch in ihr Heim gefunden haben sollte.
Weißt du es auch, „wer“ ein aufmerksamer Ehemann ist? „Wann“
er es ist? „Wie“ er es ist? Das sind „drei Fragen“, die aber nicht