Full text : Das Hotel- und Gastgewerbe

DIE WERBEAKTION „DER AUFMERKSAME EHEMANN“ 585

„hinter der Türe“ beantwortet zu werden brauchen, wie in dem anmutigen
 Pfänderspiele, das wir in meinen Jugendtagen spielten, sondern
die in voller Öffentlichkeit gelöst werden müssen, In den Tagen um
den 13. Februar haben fast alle deutschen Zeitungen von diesem „Aufmerksamen
 Ehemann“ erzählt, ich will aber bereitwillig noch einiges
über ihn berichten.
„Wer“ ist ein aufmerksamer Ehemann? „Der“ ist es, wer aus freien
Stücken, ohne gesetzlichen Zwang, seiner vom Gesetzgeber völlig vergessenen
 Frau einen wöchentlichen Ruhetag bereitet. Wie er selbst ihn
schon seit Jahren in Behaglichkeit von Gesetzes wegen genießt.
„Wann“ ist,er ein aufmerksamer Ehemann? Wenn er diesen Ruhetag
der Frau auf den Sonntag verlegt! Wenn er nicht duldet, daß seine
Frau an diesem Tage, von dem schon der Herr sagte: Am siebenten sollst
du ruhn!, in der Küche und am heißen Herd arbeitet und sich abmüht.
In verdoppelt harter Fron sich abrackert, weil ja am Sonntag besonders
gut und reichlich gegessen werden soll.
„Wie“ ist er ein aufmerksamer Ehemann? Indem er seine Frau am
Sonn. und Feiertag in eine jener guten Gaststätten führt, von denen wir
in Deutschland so viele haben. Dort werden. beide behaglich und sorglos
ein echtes Sonntagsmahl verzehren, dazu ein Fläschchen edlen Traubenhlutes
 vom Rhein oder von der Mosel, aus der Pfalz oder von der Nahe
usw., leeren, ohne daß sie sich über Gebühr verausgaben. Ein Sonntags-Menu,
 wie man es in der großen Mehrzahl unserer guten Gaststätten findet,
wird wohl keine noch so tüchtige Hausfrau zum gleichen Preise herstellen
 können. Und die Flasche Wein liefert der eigene Keller auch
aicht umsonst.
Das ist die Antwort auf die drei Fragen. Nun sei noch eine vierte,
ungestellte Frage beantwortet. Wer sich so zum aufmerksamen Ehemann
emporentwickelt, der wird zugleich zum tüchtigen Volkswirt. Erstens,
indem er an seiner Frau sozial handelt; zweitens, indem er zur Hebung
der Wirtschaftsnot einen zwar kleinen, aber doch nicht unwichtigen Teil
beisteuert. Das Hotel- und Gastgewerbe, die Winzer und der Weinhandel
 leiden bittere Not. Jede, auch kleine Hilfe ist willkommen. Viel
können unsere Frauen dazu beitragen, wenn sie mit ihren sanften Händen
und der klugen Frauendiplomatie den gestrengen Eheherrn zum
Modernen „Aufmerksamen Ehemann“ umformen. Den größten Nutzen
davon werden die Frauen selbst haben.

EHEKAMERADSCHAFT

Wer im Laufe der letzten Jahre die sogenannten Heiratsanzeigen in
den Zeitungen mit etwas Aufmerksamkeit verfolgte, der weiß, daß sich
auf diesem interessanten Gebiete eine bemerkenswerte Wandlung vollzogen
 hat. Anzeigen von naivem Überschwang sind fast völlig ver-Schwunden,
 und haben einem neuen Stil Platz gemacht. „Er“ sucht
mit besonderer Vorliebe Einheirat in ein Geschäft und in eine —
Wohnung, „sie“ läßt es deutlich durchblicken, daß sie „versorgt“ zu
sein wünscht. Infolgedessen hat sich aus früherer Zeit nur eines
konserviert: „ihr“ Wunsch nach einem pensionsberechtigten Lehrer oder
Beamten. Eine weitere bemerkenswerte Wandlung verrät der Wunsch
            
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