Full text: Das Hotel- und Gastgewerbe

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DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE 
unserer Zeit nach dem „Lebenskameraden‘“ oder der „Lebenskameradin“, 
Daraus erkennen wir, daß der Gedanke der „guten Kameradschaft“, den 
unser Zeitalter des vielgestaltigen Sports schuf, sich auch in der Ehe 
durchzusetzen beginnt. „Sie“ will nicht mehr das „wonnige Weibchen“, 
also das Spielzeug müßiger Stunden sein, und „er“ lehnt es ab, als 
„liebes Männchen“ gewertet zu werden. Man will sich weniger oder mehr 
sein, je nachdem, was persönliche Anschauung in den Begriff des „guten 
Lebenskameraden“ hineinlegt. 
Schlecht ist eine Ehe ganz sicher nicht, die auf guter Kameradschaft 
aufgebaut wurde. Nur muß die gute Kameradschaft auch wirklich auf 
beiden Seiten vorhanden sein und in Erscheinung treten. Es soll hier 
aur eine, aber nicht unwichtige Seite beleuchtet werden: 
Der wirklich gute Kamerad wird es niemals zugeben, daß seine Lebens. 
kameradin von dem wöchentlichen Ruhetag, den unsere weitausgedehnte 
soziale Fürsorge jedem werktätigen Menschen zusichert, nichts zu spüren 
bekommt. Eine Ehe, wo die Frau durch Gedankenlosigkeit, Unverstand 
und Überlieferung dazu gezwungen ist, jeden Sonn- und Festtag die 
Haushalts- und Küchenarbeit ebenso wie an allen Wochentagen zu leisten, 
kann nicht den Anspruch darauf erheben, eine „Ehekameradschaft“ zu 
sein. Das Wort Kameradschaft enthält den Begriff der vollen Gleich- 
berechtigung. Was der eine Partner dieser Kameradschaft hat und 
genießt, soll auch der andere uneingeschränkt haben. 
Heute gibt es wohl keine Ehe mehr, wo der Mann nicht einen vollen 
wöchentlichen Ruhetag hat, sei er nun Geistes- oder Handarbeiter. Aber 
es gibt, leider, noch immer sehr viele Ehen, wo der Begriff echter 
Kameradschaft sich noch nicht durchgesetzt hat, obwohl man sich viel- 
leicht einbildet, wie gute Kameraden zu leben. Wenn der Mann duldet, 
daß seine Frau jeden Sonn- und Feiertag wie an den sechs Wcochentagen 
harte Haushalt- und Küchenfron leistet, wenn er es über sich bringt, 
die aus dieser Fron für ihn entspringenden Annehmlichkeiten behaglich 
zu genießen, so ist er ein „Eheherr“, aber kein guter Ehekamerad. Er 
ist auch kein aufmerksamer Ehemann, denn dem ist längst das Ver- 
ständnis dafür aufgegangen, daß es nicht in unser soziales Empfinden 
paßt, wenn der Mann sich am Sonntag volle Ruhe gönnen kann, während 
die Frau noch härtere Arbeit als an Wochentagen am heißen Küchen- 
herd leisten muß, weil der „Eheherr“ am Sonntag noch besser als in 
der Woche verpflegt sein will. 
Der „gute Ehekamerad“ wird das seiner Frau nicht zumuten, weil 
ein guter Ehekamerad auch immer ein „Aufmerksamer Ehemann“ sein 
wird. Der aufmerksame Ehemann aber führt seinen „Lebenskameraden“ 
an Sonn- und Feiertagen in eine behagliche Gaststätte zum Speisen, und 
er schickt sie nicht in die heiße Küche. Ihm widerstrebt es, einen Ruhetag 
zu genießen, an dem seine Frau keinen Anteil hat. Daraus folgert, daß 
ein aufmerksamer Ehemann auch immer ein guter Ehekamerad sein 
wird. In solcher Ehe herrscht wirkliche und echte Ehekameradschaft. 
WERDE ENERGISCH! 
Eine junge Frau klagte mir jüngst ihr herbes Leid: Mein Mann ist 
50 anspruchsvoll. Er verlangt und erwartet daheim ein viel besseres,
	        
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