DIE WERBEAKTION „DER AUFMERKSAME EHEMANN“ 587
viel reichhaltigeres und abwechslungsreicheres Essen, als er früher, in
seiner Junggesellenzeit, hatte. Besonders an Sonn- und Feiertagen macht
er mich zur leibhaftigen Küchensklavin. Dann stehe ich noch eine Stunde
früher auf als sonst, bloß um die umfangreiche Kocherei bewältigen zu
können. Mittags bin ich so abgehetzt, daß ich kaum einen Bissen
genießen kann, und am Nachmittag bin ich zu nichts mehr zu gebrauchen.
So gehört schlechte Laune bei uns schon seit langem zum stehenden
Sonntagsrepertoire. Wenn ich das doch ändern könntel
Aber das kannst du doch, liebe kleine Frau, erwiderte ich lächelnd.
Mit einer Kleinigkeit. Werde energisch. Dulde nicht länger, daß dein
Mann dich Tag für Tag zum Küchenputtel macht. Halte ihm ruhig
und sachlich vor Augen, daß er selbst allwöchentlich einen vollen Ruhe-
tag hat, den er behaglich genießt und über dessen Unantastbarkeit er
eifersüchtig wacht. Organisiere dich, liebe kleine Frau. Tritt der wirklich
„freien“ — nämlich herzensfreien — Gewerkschaft der „Aufmerksamen
Ehemänner‘“ mit aufmerksam umsorgten Frauen bei, und zwinge vor
allem deinen Mann zum Beitritt. Es kostet nichts und bringt doch so
viele Vorteilel Nämlich einen völlig freien Ruhetag für euch beide, den
ihr gemeinsam in Schönheit und Behaglichkeit genießen könnt. Ein
Tag, an dem ihr euch finden werdet, nachdem die sechs Wochentage
mit ihren vielseitigen Anforderungen euch ein wenig entfremdet haben.
Der „Aufmerksame Ehemann“ erlaubt es nämlich nicht, daß seine kleine
Frau auch an den Sonn- und Feiertagen sich in der heißen Küche für
\hn und seinen verwöhnten Magen abrackert. Er speist an diesen Tagen
mit ihr in einer jener behaglichen Gaststätten, die gut und doch ver-
hältnismäßig billig sind, und er sichert sich auf diese lächerlich einfache
Weise einen schönen, harmonischen, durch keinen Küchenmißklang
getrübten Sonntag und eine frische, blühende, nicht abgehetzte und dafür
von Herzen dankbare Eheliebste. Werde energisch, liebe kleine Frau.
Fordere dein soziales Recht auf einen vollen wöchentlichen Ruhetag.
Gar bald wird dein Mann erkennen, um wie vieles schöner nun die Welt
am Sonntag ist. Und er wird zum begeistertsten Anhänger der herzens-
freien Gewerkschaft der „Aufmerksamen Ehemänner‘“ werden.
WIE BLEIBE ICH SCHLANK?
Schlank sein, schlank bleiben, das ist die wichtigste Tagesfrage unserer
Frauen und Mädchen. Unsere Frauen beschäftigt sie noch stärker, weil
ihnen durch die Art der häuslichen Beschäftigung die Gefahr des
„Stärkerwerdens“ viel näher gerückt ist, als dem jungen Mädchen, dem
für Sport und sonstige körperliche Ausarbeitung genügend Zeit zur Ver-
fügung steht. Anders ist es bei der Frau. Die häuslichen Pflichten binden
sie, Obwohl den ganzen Tag in Anspruch genommen, ist die Art dieser
vielseitigen Arbeiten doch nicht dazu geeignet, die Frau vor dem Stärker-
werden, vor dem gefürchteten „Fettansatz‘“ zu schützen. So trägt gerade
die Arbeit in der Küche und am heißen Herd einen gewichtigen Teil
dazu bei, daß die Glieder sich in unerwünschter Weise „runden“, zuerst
„Mollig‘“ — der Wiener sagt mollert — und schließlich ganz richtiggehend
dick werden. Gar oft haben Hausfrauen, die trotz verhältnismäßiger
Jugend, schwer an ihrem Formenreichtum trugen, mir ihr Leid geklagt: