Full text: Das Hotel- und Gastgewerbe

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DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE 
„Es kommt von der Küchenarbeit! Vom Kochen! Weil wir so oft kosten 
müssen! Zur guten Küche gehört Ööfteres gewissenhaftes Probieren. 
Meistens sind wir schon satt, wenn wir das Essen auf den Tisch bringen. 
Der gestrenge Eheherr, der gebieterisch eine „gute Küche“ heischt, 
wundert sich dann über unsere „Appetitlosigkeit‘“ gegenüber solch 
teckeren Dingen. Noch mehr wundert er sich, daß wir wie der wachsende 
Mond zunehmen, obwohl wir doch hachgewiesenermaßen nur wie ein 
Spatz von den Speisen naschen. Der Mann weiß eben nicht, daß wir 
Opfer unseres Hausfrauenberufes sind. Daß : das‘ ununterbrochene 
Hantieren in der Küche und am heißen Herd — an sieben Tagen der 
Woche! — den gefürchteten Fettansatz begünstigt und geradezu anlockt.“ 
So habe ich viele jener rundlichen Frauen klagen hören, die sich 
in kargen Mußestunden heiß um die verlorene „Schlanke Linie‘ mühten, 
aber doch nichts anderes erreichten, als daß sie nervös wurden und sich 
abgespannt und übermüdet fühlten. Ihnen wäre doch so leicht zu helfen 
gewesen, wenn sie der Küche und dem Kochen nicht jenen übertriebenen 
Eifer gewidmet hätten, durch den sie den Mann maßlos verwöhnten und 
schließlich zum Haustyrannen erzogen. Wenn sie darauf gedrungen 
hätten, daß der Eheherr ihnen wenigstens einmal in der Woche einen 
vollen Ruhetag, und zwar am Sonntag, gegönnt hätte, wie er selbst ihn 
als etwas „Selbstverständliches‘“ für sich in Anspruch nimmt. Kurz, 
wenn sie den hohen Herrn zum „Aufmerksamen Ehemann“ erzogen 
hätten, über den die Zeitungen in letzter Zeit so Interessantes zu berichten 
wußten, Der „Aufmerksame Ehemann“ duldet nicht, daß seine Frau 
auch an Sonn- und Feiertagen am heißen Küchenherd steht, noch sorg- 
fältiger und häufiger als sonst kostet und probiert, weil zum ‚Sonntag 
ein besonders leckeres und reichliches Essen gehört. Der „Aufmerksame 
Ehemann‘ wird seine fleißige kleine Frau Sonntags in eine gute Gast. 
stätte führen, wo sie zu erschwinglichem Preis ein abwechslungsreiches 
und gediegenes Mittagmahl finden, und er wird — durch die kluge Ein- 
schaltung wenigstens eines Schon- und Ruhetages — dazu beitragen, daß 
seine Gattin die heißersehnte „schlanke Linie“ viel länger bewahrt. 
DER GESTOHLENE SONNTAGSBRATEN 
An der Hintertüre des Metzgers Fleischhauer wartete eine elegante 
junge Frau. Sie hatte schon dreimal hastig und nervös geläutet. End- 
lich erklangen schlurrende Schritte. Der dicke Meister Fleischhauer, 
angetan in einen phantastischen, großblumigen Schlafrock, an den Füßen 
ein Paar Filzschuhe, wie Elbkähne groß, erschien im Rahmen der für 
ihn fast zu schmalen Türe. . 
„Was is denn los, zum Donnerwetter? Nicht mal Sonntags hat man 
Ruhe. Heh?“ 
Da erkannte er die junge Frau Edelmann, seit zwei Jahren eine seiner 
besten Kundinnen, ; 
„Verzeihen Sie, Frau Edelmann. Nischt für ungut. Aber wenn man 
aus seinem Sonntagsvormittagsnickerchen aufgeschreckt wird — —.“ 
„Lieber Meister Fleischhauer,“ bat Frau Edelmann mit süßer Stimme, 
„Sie müssen mir helfen. Wir haben nichts zu essen. Während ich die 
Küche einen Augenblick verlassen und die Türe nur angelehnt hatte,
	        
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