Full text: Das Hotel- und Gastgewerbe

DIE WERBEAKTION „DER AUFMERKSAME EHEMANN“ 589 
schlich sich das Hundevieh meines Nachbars herein und stahl den 
leckeren Sonntagsbraten, den ich gestern bei Ihnen gekauft habe, Sie 
müssen mir Ersatz geben, lieber Meister Fleischhauer. Sonst wird mein 
Mann böse, wenn er nichts zu essen bekommt.“ 
„Füttert die Bestie gut,“ lachte Meister Fleischhauer. „Aber das ist 
nicht so einfach, verehrte Frau Edelmann, Ich mache mich strafbar, 
wenn ich Sonntags etwas verkaufe, Es geht nicht!“ 
„Es muß gehen, lieber Meister Fleischhauer. Haben Sie doch ein 
Finsehen. Was soll ich meinem Mann vorsetzen? Er erwartet Sonntags 
immer: etwas besonders Leckeres.“ 
Meister Fleischhauer rieb seinen rötlich angehauchten Nasengipfel. 
Plötzlich tippte er der schlanken jungen Frau auf die runde Schulter — 
das heißt, er glaubte, nur zu „tippen“, aber Frau Edelmann knickte fast 
N den Knien zusammen — und mit vergnügtem Grinsen sagte der 
jese: 
„Warten Sie mal, ich hab’s! Gleich bin ich wieder da.“ 
Er zog die junge Frau in den Hausflur, schloß die Türe und watschelte 
in seinen riesigen Filzschuhen hastig davon. Bald kehrte er zurück‘ und 
hielt der ungeduldig harrenden Frau ein Bild unter das rosige Näschen. 
Frau Edelmann war verblüfft. Sie hatte auf eine Lende, oder ein Kalbs- 
filet, oder eine saftige Hammelkeule gerechnet. Nun kam der dicke 
Metzger mit einem Bild. Wollte er sie verhöhnen? 
„Legen Sie das Ihrem Mann heute Mittag statt des Bratens auf den 
Teller,“ sagte Fleischhauer schmunzelnd. 
. Erika Edelmann war dem Weinen nahe. Zornestränen. Wütend wollte 
sie das Bild auf die Erde werfen, da traf ihr schon halb verschleierter 
Blick die Überschrift: 
‚Der aufmerksame Ehemann“ 
las sie. Interessiert musterte Erika das flott gezeichnete Bild. Ein 
Junges Ehepaar in einem behaglichen Restaurant. Nun sah sie, daß die 
Driginelle Skizze auch eine Unterschrift hatte. In Gedanken verloren 
las sie laut: 
„Man nehme sich ein Beispiel. Dieser liebenswürdige und 
kluge Frauenkenner speist am Sonntag grundsätzlich nicht zu 
Hause. An einem Tage wenigstens will er seine Frau entlasten 
von allen Mühen in Küche und Haushalt. Gibt es doch so viele 
zute Gaststätten, wo man zu angemessenen Preisen vortrefflich 
ißt und sich auch ein Fläschchen guten deutschen Weines zu 
Gemüte führen darf, ohne sich über Gebühr zu verausgaben.“ 
„Nun?“ forschte Meister Fleischhauer und sah seiner jungen. reizenden 
Kundin Hstig in die nun lachenden Augen. 
„Vortrefflich, Meister Fleischhauer,“ jubelte Erika. „Daß ich und mein 
Mann daran noch nie gedacht haben! Zu dumm! Sonntag um Sonntag 
habe ich in der heißen Küche geschuftet. Nachmittags war ich immer 
Nüde zum Umfallen.“ 
„Siehstewohl!“ schmunzelte der riesige Metzger. „Speisen Sie mit 
Ihrem verehrten Herrn Gatten im Eden-Restaurant. Dorthin habe ich 
Bestern die besten Teile eines Mastochsen geliefert. Eines Mastochsen,
	        
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