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DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
gehabt, wenn ihre Handelsbilanzen in den letzten Krisenjahren einiger-
maßen balancierten.
Für Fachzeitschriften der Juweliere und Goldschmiede, der
Metallindustrie.
DAS SILBER IM HOTEL
Wir gehen auf Reisen, steigen in guten Hotels ab, freuen uns wohl
über die schön und festlich gedeckten Tische im Speisesaal unserer Hotels
ınd — — nehmen alles dort Gebotene als etwas Selbstverständliches hin.
Wer tiefer blickt, dem wird sogar das blitzende Silber auf seinem Tisch
interessante Geschichten erzählen. Als ich jüngst mal wieder im Hotel
Frankfurter Hof in Frankfurt a. M. saß und in der „Festschrift“ dieses
weltbekannten Hauses nachdenklich blätterte, da fand ich auf Seite 17
eine interessante Abbildung: „Aus dem Silberschatz des Hauses. Silber
von Napoleon III. im Besitz des Hotels.‘ Es sind drei wundervoll aus-
geführte Tafelaufsätze, Meisterwerke der Goldschmiedekunst im Ge-
schmack der damaligen Zeit. Dabei traten mir die bemerkenswerten
Wandlungen, die unsere Hotels in den letzten 50 Jahren erlebt haben, so
recht deutlich vor Augen. Der Frankfurter Hof hatte nämlich gerade
seinen fünfzigsten Geburtstag begangen. Diesem Geburtstag zu Ehren war
die Festschrift erschienen. Fünfzig Jahre zogen im bunten Wandel der
Zeit an meinem geistigen Auge vorüber. Ich stand vor den Anfangstagen
dieses heutigen Welthotels. Sah, wie seine Begründer einen Stein zum
andern trugen, dabei auch den Grund zum Silberschatz des Hauses legend.
Nach langwierigen Verhandlungen, nach dreitägiger Besichtigung und
Vergleichung der Fabrikate verschiedener Firmen, wurden jene zweier
Fabriken in Pforzheim und Frankfurt a. M. als die für den Gebrauch,
sowohl was Gediegenheit der Arbeit als auch Schönheit der Formen be-
trifft, am geeignetsten befunden. So steht es fast wörtlich in einem ver-
gilbten Protokollbuch aus dem Jahre 1875. Es steht ferner darin, daß der
Pforzheimer Firma ein Auftrag im Gesamtbetrage von 50.000 Mk., der
Frankfurter ein solcher in Höhe von 12.000 Mk. erteilt wurde. Also allein
62.000 Mk. für Silber flossen der Industrie aus einem einzigen Unter-
nehmen zu, das in der Folge mit dazu bestimmt sein sollte, den Fremden-
verkehr in Deutschland auf eine sehr hohe Stufe zu heben dadurch, daß
dieses Hotel zugleich den Ruf deutscher Gaststätten in der ganzen Welt
begründen und befestigen half,
So sah ich in meiner Vision den heutigen wertvollen Silberschatz des
Frankfurter Hofes entstehen. Wenn es der hochentwickelten metall-
verarbeitenden deutschen Industrie in der Folgezeit möglich werden
konnte, sich auf ihre jetzige stolze Höhe emporzuschwingen, so verdankt
sie dies nicht zum kleinsten Teil dem Hotelgewerbe und seinen führenden
Männern. Denn ohne Häuser vom Rufe und Rang des Frankfurter Hofes
würde der nationale und ganz besonders auch der internationale Fremden-
verkehr in Deutschland niemals zu seiner hohen Blüte gekommen sein.
Dadurch wird zugleich eine wichtige Tatsache in das helle Sonnenlicht
der Wirklichkeit gerückt: Zu seiner Wiedergesundung braucht Deutsch-
land blühende Industrien. Diese wiederum sind ohne regsten Fremden-