EINE KLEINE WERBEKAMPAGNE ANLÄSSL. EINES BESOND. EREIGNISSES 629
seines fünfzigjährigen Bestehens. Anläßlich dieses Geburtstages hatte ich
Gelegenheit, in alten Akten zu blätiern. In dem vergilbten Protokoll-
buch des ersten Vorstandes der: Frankfurter Hotel-Aktiengesellschaft
fand ich einen sprechenden Zeugen für die Richtigkeit der eingangs
erwähnten These. Es behandelt als einzigen Sitzungsgegenstand die
Lieferung der Hotelwäsche. Das alte Dokument sei im Wortlaut hierher-
gesetzt, weil es aus längst verklungener Zeit, wie ein modernes Grammo-
phon, zu uns spricht:
„Nach eingehender Prüfung wurde die Lieferung der nötigen Hotel-
wäsche Herrn Julius Hofmann Nachflg. und Herrn Otto Mayer & Ham-
burg überiragen, und zwar dem Ersten für den von ihm zu liefernden
Teil auf Grund der eingereichten Kommissionsnota und Musterverzeichnis
sowie der deponierten Muster; die von ihm gestellten Zahlungsbedin-
gungen sind: zwei Monat nach eingereichter Rechnung mit 5% Diskont.
Lieferzeit: vom 1. Oktober 1875 bis 1. April 1876. Zahlungsbedingungen
der letzten drei Monate a dato der Rechnung ohne Skonio. Lieferzeit
wie vorstehend, auf Grund der eingereichten Kommissionsnota und depo-
nierten Muster.“
Das war vor. 51 Jahren. Damals war ein einzige Bestellung im Werte
von 50.000 Mk. ein Riesenobjekt. Deutschland befand sich im Aufstieg,
der Grundstock zu seinem späteren großen Nationalvermögen wurde erst
gelegt. Erwägt man das, So wird überraschend klar, wie ungeheuer
befruchtend auf die verschiedensten Industriezweige die Begründung
großer Hotels wirken mußte. Dadurch wird die Wechselwirkung zwischen
Industrie und Handel und dem Hotelgewerbe klar. Man begreift es ein-
fach nicht mehr, daß der Internationale Hotelbesitzer-Verein acht Jahre
lang darum kämpfen mußte, die großen Hotelbetriebe den kaufmänni-
schen Großbetrieben gleichgestellt zu sehen. Der damalige Minister v.
Berlensch wollte sie nur den Innungen, also dem Handwerk, zuweisen.
Für Tageszeitungen, belletristische Zeitschriften mit volkswirt-
schaftlichem Einschlag, für Fachzeitschriften des Hotel- und
Gastgewerbes, für deutschsprachliche Zeitungen in Amerika.
AUS EINER HOTEL-CHRONIK
Anläßlich des 50jährigen Jubiläums des weltbekannten Hotels Frank-
furter Hof in Frankfurt a. M. werden einige interessante Daten bekannt.
Bei der Eröffnung am 25. Juni 1876 stellte das Haus sich sogleich in
den Dienst der Wohltätigkeit. Die Besichtigung war dem Publikum gegen
eine Mark Eintrittsgeld freigegeben. Ungefähr 1600 Personen machten
von dieser Gelegenheit Gebrauch, Der eingegangene schöne Betrag wurde
den Armen zugewiesen,
Das Anlagekapital war für damalige Verhältnisse riesenhaft. Es betrug
5,400.000 Mk. Davon entfielen auf den Bauplatz 1,450.000 Mk., auf den
Bau selbst 2,225 000 Mk., auf Inventar und Einrichtung 850.000 Mk.,
Bauleitung 50.000 Mk. Bauzinsen und Spesen zirka 500.000 Mk.;
325.000 Mk. blieben als Betriebsfonds übrig. Vergleicht man diese Zahlen
Mit den investierten Kapitalien moderner zum Beispiel amerikanischer