DER RUNDFUNK.ALS WERBER 633
Reklame auf den wirken wird, dem der Rundfunk sie daheim
im stillen Kämmerlein vorsetzt. Ob sie dem Charakter und der
Würde des Kurortes oder des Hauses entspricht. Wie die
wirklich vornehme Gaststätte nicht in einer Zeitschrift oder
Zeitung inserieren wird, die auf die niedrigen Instinkte der
Menschen spekuliert und nur von Sensationen lebt, so soll sie
sich auch von unvornehmen Reklamearten des Rundfunks fern-
halten. Selbstverständlich wäre nichts dagegen einzuwenden,
daß die Kurortleitung oder das vornehme Hotel den Hörern
mitteilen läßt: Im morgigen Nachmittagskonzert im Kurhaus
beziehungsweise im Neptun-Hotel wird der ausgezeichnete und
bewunderte Geigenkünstler Hubert Kallenberg die Zigeuner-
weisen von Sarasate, der beliebte Cellist Streicher das Largo
von Händel spielen! — Oder: Das heutige Abendkonzert im
Kurhaus beziehungsweise in der lauschigen Halle des Neptun-
Hotels wird eine Reihe der besten, leider schon etwas in Ver-
gessenheit geratenen Operettenkomponisten aus der Glanzzeit
der Operette durch den Zauber ihrer Töne wieder ins Leben
zurückrufen. (Hier achte man darauf, daß diese Botschaft nicht
etwa von einem Manne vermittelt wird, der beim Sprechen
mit der Zunge anstößt oder lispelt und der aus der lauschigen
Halle womöglich eine lausige Halle macht.)
Der mondäne Kurort, die große Fremdenverkehrsstadt, das
vornehme Hotel kann mitteilen lassen, daß Träger eines großen
Namens oder bedeutende Persönlichkeiten der hohen Politik
oder Mitglieder der guten Gesellschaft eingetroffen sind und im
Hotel Neptun Wohnung genommen haben. Man kann mitteilen
lassen, daß am nächsten Mittwoch ein Gesellschaftsabend statt-
findet, zu dem eingeladen wird und wozu nur Karteninhaber
Einlaß finden usw.
Im Kapitel „Die negative Reklame“ beschäftige ich mich mit
dem wundesten Punkte im Hotel- und Fremdenverkehrswesen:
der Geneigtheit der Tagespresse, Beschwerden gereizter und
übernervöser Gäste über Kurorte oder Hotels allzu bereitwillig
ein offenes Ohr zu schenken. Vielleicht ließe der Rundfunk
sich dazu heranziehen, unzutreffende und schädliche Presse-
äußerungen über Hotels oder Kurorte auf schnellstem Wege
richtigzustellen und Aufklärung zu verbreiten. Bei dem großen
Schaden, der durch solche Pressenotizen, ganz gleich, welchen
Ursachen sie entsprangen, schon recht oft angerichtet worden
ist, dürfte es sich empfehlen, diese Anregung in Erwägung zu