Full text: Das Hotel- und Gastgewerbe

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DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE 
Ich sagte, die Streckenreklame müsse im Fluge genossen 
werden können. Auch das ist buchstäblich zu nehmen. Im Zeit- 
alter des ständig wachsenden Flugverkehrs, der sich mehrenden, 
regelmäßig bedienten Luftlinien ist auch die aus der Vogel- 
perspektive zu betrachtende „Streckenreklame“‘“ keine Utopie 
und kein Luftschloß mehr. Natürlich müßten bei ihr ganz 
andere Gesichtspunkte gelten als bei der bisher üblichen 
Streckenreklame. Aber ebenso gut, wie man senkrechte 
Reklame-,,Blickfänger‘“ aufstellte, kann man auch zu wage- 
rechten oder „schräg gestellten‘ übergehen, die der Luftschiff- 
reisende aus seiner stolzen Höhe studieren könnte. Wobei ich 
allerdings daran erinnern muß, daß das Hinunterblicken in die 
Tiefe bei vielen Luftschiffreisenden ein Gefühl auslöst, das 
bedenkliche Ähnlichkeit mit der Seekrankheit hat, in diesem 
Falle aber wohl Sehkrankheit genannt werden müßte. Man 
prüfe also zuvor alle Für und Wider, bevor man sich, wenn auch 
nicht ewig, aber doch für einen längeren Zeitraum an eine 
Streckenreklame aus der Vogelschau bindet. Diese Prüfung ist 
überhaupt in jedem Falle angebracht, weil die Streckenreklame 
eine besonders markante Eigenschaft des Brillanten hat: sie ist 
kostspielig. Hinterher ist es zu spät, den so „zur Strecke 
gebrachten Geldern nachzutrauern“, 
Der Streckenreklame zuzählen kann man die Reklame in den 
Eisenbahnabteilen, in Speisewagen, Schiffskajüten und auf 
Bahnhöfen. Zur wirkungsvollen „Auslandsreklame‘“ könnte 
man zum Beispiel die Werbung an Grenzstationen ausbilden, 
wo die Reisenden wegen der Zoll- und Paßplackereien zu 
längerem Aufenthalt gezwungen werden. Aus der goldenen 
Vorkriegszeit meiner zahlreichen, gänzlich „paßlosen‘ Aus- 
Jandsreisen erinnere ich mich so mancher „Mußestunde‘“ im 
Kreise der nicht beliebten Zöllner, in der ich mit wahrer Leiden- 
schaft sämtliche erreichbaren Plakate usw. studiert habe. Es 
ist übrigens ein probates Mittel, um den Ärger über den erzwun- 
genen Aufenthalt abzukürzen. Man darf sich zur Abwechslung 
statt über die Zollplackerei über solche Werbeplakate ärgern, 
die meinen Grundregeln für das „richtige“ Werbeplakat ins 
Gesicht schlagen. 
Schließlich sei noch etwas gestreift, was zwar nicht direkt 
„Streckenreklame“ ist, aber doch dazu werden kann. Ich meine 
jene Tafeln und Schilder, die den Autofahrern die schnelle 
Orientierung erleichtern. Es ist auch eine Art „Werbung“, und
	        
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