Full text: Das Hotel- und Gastgewerbe

DIE „ZEITSTROPHE“ IN DER REKLAME 
9. DIE „ZEITSTROPHE“ IN DER REKLAME 
In das an sich schon bunte Bild der gereimten Reklame hat 
die sogenannte Zeitstrophe eine neue und auch interessante 
Note gebracht. Voraussetzung für den Erfolg ist allerdings, daß 
diese Werbeart in die Hand eines wirklichen Könners gelegt 
wird. Die verarbeitete Idee muß zugkräftig sein und packen, 
und auch die Reime müssen verwöhnten Ansprüchen genügen. 
Sind diese Voraussetzungen nicht zu erfüllen, dann bleibe man 
lieber bei der Prosa. Es sei denn, daß man in dem „Fluche der 
Lächerlichkeit“ auch so etwas wie Reklamewirkung erblickt. 
Ich meinerseits bedanke mich für eine solch zweifelhafte 
Wirkung. 
Die „Zeitstrophe‘“ kann also, bei geschickter Anwendung, 
hübsche Wirkungen erzielen und schöne Erfolge zeitigen. 
Besonders elegant und originell fand ich diese Reklameart von 
einer Firma in Dresden angewandt, weshalb ich einige ihrer 
Zeitstrophen als Muster wiedergebe. Allerdings mache ich mich 
dabei einer kleinen „Fälschung“ schuldig, indem ich die eigent- 
liche Reklamepointe auf ein anderes Geleise, nämlich auf das 
des Gastgewerbes. gezogen habe. 
Endlos tönen Klagen dringlich 
Durch den Zeitungsblätterwald, 
Daß die Preise unerschwinglich 
Für den Lebensunterhalt. 
Jedes Fleisch muß man vermeiden, 
Denn der Ochse und das Schwein 
Wollen, wenn sie sanft verscheiden. 
Überreich entschädigt sein. 
Will mit Milch, Gemüsenahrung 
Fristen man die Existenz, 
Scheitert jede Geldersparung 
An der steigenden Tendenz.
	        
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