Full text : Sittlichkeit in Ziffern?

212

Vierter Teil.

ohnehin vorhandenen Widerstand der Bevölkerung gegen das
Eingehen der Ehen junger Männer mit Witwen noch weiter verstärkt:
 kommt es dennoch zu solchen Hochzeiten, so versammeln
sich die Burschen nachts vor dem Hause der Eheleute zu einer
stundenlang dauernden gräßlichen Katzenmusik, welche das
junge Paar möglichst ärgern und am Vollzug des. Beischlafes
hindern soll. Doch ist auch diese Tendenz national bedingt. Wie
wir bereits berichteten, ist das Verhalten der jungen Engländer
den Kriegerwitwen gegenüber ein völlig anderes1®, Und auch
das der Deutschen, die ebenfalls die Kriegerwitwen nicht sitzen
lassen. Zumal zur Zeit der Wohnungsnot waren sie, als die
glücklichen Inhaberinnen eingerichteter Wohnungen, vielfach
umworben. Die Wiederverheiratung Verwitweter und Geschiedener
 hat nach dem Kriege in Deutschland so stark zugenommen,
 daß infolgedessen im Vergleich mit der Vorkriegszeit eine
Erhöhung des durchschnittlichen Heiratsalters stattfand 119,
In Deutschland hat der Demobilmachungsausschuß im Interesse
 der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit der aus dem Felde
heimkommenden Männer sowie der arbeitslosen ledigen Mädchen
 verlangt, daß zunächst die verheirateten Frauen in weitem
Umfange zu entlassen, jedenfalls aber keine neuen einzustellen
seien. Er war dabei von der Erwägung ausgegangen, daß Ehemänner
 Verdienst, Ehefrauen aber einen Ernährer haben
müssen. In vielen Fabrikbetrieben wurde es daraufhin Brauch,
daß verheiratete Frauen nur dann beibehalten wurden, wenn
der Mann nur unter halber Schicht beschäftigt war, und daß
nach Besserung des Verdienstes des Mannes die verheiratete Frau,
von der die Betriebe inzwischen fortlaufend Belege über die Einnahmen
 der Familie forderten, einer ledigen Konkurrentin

10 Vgl. S. 104. ; . |
10 Friedrich, Zahn, Die deutsche Familie und der Wiederaufbau
unseres Volkes, Allgemeines Statistisches Archiv, Bd. ı6, Heft ı (1926),
SQ 6
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.