. Argentinien,
kann. Dabei war nur der Mais von einer Mißernte betroffen;
weit schlimmer würde sich die Lage gestalten, wenn der
Weizen starke Ausfälle aufwiese, ein Fall, der jeden Augen-
blick eintreten kann. Dann ist ein Minus in der Bilanz nicht
ausgeschlossen, und die unnatürliche Intensität, die sich im
argentinischen Außenhandel bemerkbar macht, muß zu einer
Krisis führen, wie sie infolge des ungünstigen Abschlusses
des Jahres 1906 auch eingetreten ist.
Die bedeutenden Überschüsse der Ausfuhr über die
Einfuhr hatten dem Lande viel Bargeld zugeführt!). Dies
bewirkte neben dem Fallen des Zinsfußes eine fortwährende
Preiserhöhung aller Werte und ein gewaltiges Anschwellen
der Einfuhr, die sich in wenigen Jahren verdoppelte. Das
langjährige Mißtrauen in die geschäftliche Entwickelung war
einer größeren Zuversicht gewichen, in den verschiedenen
Geldinstituten waren kolossale Kapitalien angehäuft, was zu
einer. leichteren Kreditbewilligung. und zur Gründung zahl-
reicher industrieller Gesellschaften führte, deren Aktien an
der Börse sofort die höchsten Kurse erreichten. Dieses über-
stürzte Drängen nach Ausbreitung der Geschäfte mußte zu
einem Rückschlag führen. Schon in der zweiten Hälfte des
Jahres 1905 machten sich Anzeichen geltend, daß der Ver-
brauch nicht mehr mit der wachsenden Einfuhr Schritt hielt.
Es begannen verschiedene Zahlungseinstellungen, die dadurch
noch vermehrt wurden, daß die Banken angesichts des Stei-
gens des Zinsfußes von 4—5 % auf 7!/2 % ihre sehr weit-
gehenden Kreditgewährungen an zweifelhafte Firmen einstellten.
Hierdurch entstand eine große Geldknappheit, deren Folgen
sich alsbald in einem Kurssturz an der Börse und weiteren
Zahlungseinstellungen und Bankerotten äußerten. Den Gipfel
erreichte die Krisis aber erst, als durch die Dürre ein großer
Teil der Maisernte vernichtet wurde, in Rosario ein allge-
meiner Arbeiterausstand ausbrach und eine revolutionäre
Bewegung in San Juan die dortige Provinzialregierung stürzte.
Je genauer man sich diese Verhältnisse ansieht, desto
mehr kommt man zu der Überzeugung, daß das geschäftliche
Aufblühen Argentiniens ein Trugbild?) ist, das von der Speku-
lation ausgenützt wird, bis ein Krach kommt, der durch eine
einzige Mißernte in größerem Umfange eintreten kann. Es
1) Vgl. Export 1907 Nr. 13. Rechenschaftsbericht der Deutschen
überseeischen Bank für 1906; Bericht des K. u. K. Österr.-Ungar.
Gen.-Konsulats Buenos Aires 1907.
?) Export 1906 Nr. 49.
v. Gem mMingen, Entwickelung der Fabrikindustrie. UT
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