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354 Zweiter Teil. Handel. XVI. Amtliche Handelsvertretungen. 
frage vorzugreifen. In diefem Sinne werden einstimmige Beschlüsse gefaßt, die später 
ihre Erfüllung finden. 
Weiterhin steht die Organisation des Zollvereins zur Erörterung. Der 
fernere Bestand und die weitere Ausdehnung des Vereins, dem Österreich, die beiden 
Mecklenburg, Holstein und Lauenburg, die drei Hansestädte nicht angehören, wird 
für sehr wichtig erklärt. Zu seiner Entwickelung wird die Abschaffung der gegen 
wärtigen schwerfälligen Verfassung, nach der Beschlüsse nur mit Einstimmigkeit aller 
Vereinsstaaten gefaßt werden können, gefordert. 
Schließlich spricht sich der Deutsche Handelstag in seiner ersten Vollversammlung 
noch dafür aus, daß das Handelsgesetzbuch, das damals im Entwurf vorlag, 
in allen Bundesstaaten eingeführt und die Organisation von Handelsgerichten 
in Angriff genommen werde, daß man die Eisenbahntarife möglichst nach 
gleichen Einheitssätzen bilde, daß die von einzelnen Vereinsstaaten in Handels 
verträgen ausbedungenen Vorteile tunlichst auch auf die übrigen Staaten erstreckt 
und daß die T r a n s i t a b g a b e auf der Berlin-Hamburger Eisenbahn und alle noch 
bestehenden Flußzölle abgeschafft werden. 
Fürwahr eine reiche und bedeutende Tagesordnung für die sechstägige Ver 
sammlung, auf deren Festprogramm, wie heuer, ein Festmahl, die Schloßbeleuchtung 
und Ausslüge standen! 
Unmöglich kann ich die unabsehbare Reihe der späteren Verhand- 
lungsgegenstände des Deutschen Handelstags hier vorführen; ich kann nur 
einiges herausgreifen. 
Gleich die zweite Vollversammlung, 1862 in München, war vielleicht die auf 
regendste, die politisch bedeutsamste von allen, die der Deutsche Handelstag abgehalten 
hat. Wiederum stand auf der Tagesordnung die Organisation des Zollvereins, 
daneben aber oder davor die Zolleinigung mit Österreich und der 
Handelsvertrag mit Frankreich, den Preußen abgeschlossen hatte, und 
dessen Annahme durch den Zollverein die große Frage war und von Österreich 
bekämpft wurde. Welche Bedeutung man den bevorstehenden Verhandlungen des 
Deutschen Handelstags beimaß, geht daraus hervor, daß sogar die Regierung in 
Österreich die Handelskammern aufforderte, dem Handelstag beizutreten. In den 
Verhandlungen entspann sich ein erbitterter Kampf, der in den verschiedenen handels 
politischen Bestrebungen Preußens und Österreichs seinen Grund hatte. Seit der 
1848er Versammlung in der Paulskirche in Frankfurt a. M. war, wie v. Sybel aus 
Düsseldorf bemerkte, kaum eine Versammlung gewesen, die sich mit dieser vergleichen 
konnte. Hansemann sprach gegen die Politik der preußischen Regierung und 
stellte das Interesse an einer Zolleinigung mit Österreich voran. Darüber kam es zum 
Bruch zwischen ihm und Hermann v. Beckerath, dem Reichsfinanzminister von 1848, 
der die Handelskammer zu Krefeld vertrat. „Mit Herrn Hansemann", sagte er, „ver 
band mich eine langjährige mir sehr wert gewordene Gemeinschaft der politischen 
Gesinnung. Sie ist aufgelöst." Die Abstimmung erfolgte zugunsten des Handels 
vertrags mit Frankreich. Hansemann lehnte die Wiederwahl in den Ausschuß ab; 
v. Beckerath wurde sein Nachfolger als Vorsitzender. Das Verhältnis zu Ö st e r r e i ch 
erlitt einen schweren Stoß; die 1862 von dort beigetretenen 40 Mitglieder traten fast 
alle in den nächsten beiden Jahren wieder aus; einige wenige österreichische Mit 
glieder blieben bis 1867. 
Auch in der Folge waren es die Zollfragen, die am ehesten zu Streitigkeiten 
innerhalb des Deutschen Handelstags führten. Meinungsverschiedenheiten über die 
Eisenzölle gaben Ende der 1870er, über die Getreidezölle Mitte der 
1880er Jahre Veranlassung, daß eine Reihe von Mitgliedern austrat. Als im Januar 
1901 über die Zölle auf Lebensmittel verhandelt wurde, wollte die eine
	        
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