Full text: Meer und Weltwirtschaft

tannien ım vollkommensten Sinne. In keinem andern Volke ist 
ein solcher Gedanke treibende Kraft wie im Engländer selbst, und 
zwar in einem Maße, daß er das gleichberechtigte Streben an- 
derer Völker geradezu „als eine Versündigung an der Zivilisation 
und der Idee der Menschheit‘ ansieht. Oberst Repington prägte 
1915 das Wort: „Die Grenzen des britischen Reichs sollen dem 
Erdumfang gleichen.‘ 
Jede Großmacht birgt notgedrungen etwas Aggressives in sich; 
sie muß den Besitz wahren, den sie hat, und jeder Besitz ruft mit 
der Zeit nach Vermehrung, denn Kapital will Arbeit haben und 
neues dazu gewinnen. Nur zeitweilig sind die Großmächte „sa- 
turiert‘‘, wie Bismarck sich ausdrückte; immer dann, wenn sie 
aufs neue ihr Schäflein ins Trockene gebracht haben. Wenn sie 
sich zurückgesetzt oder gar übergangen fühlen, sind sie ganz von 
selbst aggressiv (s. das heutige Italien!). Im Europa von heute sind 
die Großmächte mit dem vollen Magen außer Frankreich vor allem 
England, das seinen festländischen Burenkrieg hinter sich hat. 
Viele Wege führen nach Rom, und noch mehr Wege führen — 
gemäß englischer Politik — nach Indien. Was nicht auf dem be- 
rühmten und berüchtigten „Wege nach Indien‘ liegt, das liegt 
sicherlich am Rande irgendeines Umweges: die politische Opera- 
tionsbasis des indischen Reiches reicht über den Suezkanal hinaus, 
führt durch Aegypten und den Sudan bis Kapstadt. Was rechts 
und links dieses Weges, dieser breiten Operationsbasis liegt, kann 
sich ruhiger Entwicklung nur auf Grund einer dritten Macht, haupt- 
sächlich der britischen Macht erfreuen, die, im Verfolg eigener 
Interessen, die Belange der Nachbarn zu ihren eigenen zu machen 
vorgibt. So steht es mit Persien, mit Afghanistan, zum Teil mit 
Abessinien, ja sogar mit der Türkei (hier ist die dritte Macht Frank- 
reich). Nach wie vorher betrachtet England Persien und Afgha- 
nm
	        
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