Full text: Meer und Weltwirtschaft

waren die Seekriege Handelskriege. So waren schon die 
Kämpfe zwischen Chalcis und Eretria, Samos und Aegina und viele 
andere, die hauptsächlich das Zurückdrängen der Phönizier aus 
dem Aegäischen Meere bezweckten, die sich späterhin um die 
Lösung der Carthagofrage usw. handelten, nichts anderes als Han- 
delskriege. Aus einem mehr denn hundertjährigen Kampfe mit 
Franzosen und Holländern, gestützt auf eine ausgezeichnete insulare 
Lage, ist Großbritannien als erste Seemacht des 19. Jahrhunderts 
hervorgegangen. Fast ein volles Säkulum beherrschte Großbri- 
tannien das Verkehrs-, insonderheit das gesamte Frachtfuhrwesen 
des Atlantischen Ozeans, bis an der Wende des Jahrhunderts 
Deutschland und die Vereinigten Staaten von Amerika ihm hart 
zuzusetzen beginnen, letztere seit dem letzten Weltkriege in ganz 
besonders unangenehm merklicher Weise. 
Während früher die Seekriege nur hie und da engbegrenzte Ge- 
biete des Wirtschaftslebens eines Volkes beeinflußten, ist heute 
ein Seekrieg, der infolge der modernen Verkehrsmittel und 
Kriegswerkzeuge zugleich Küsten- und Landkrieg ist, ohne Lahm: 
legung des größten Teils des Wirtschaftslebens der kriegführenden 
Mächte nicht denkbar. Das Gewitter, das sich dereinst im Gebiet 
des Großen Ozeans entladen wird, wird von der furchtbarsten 
Wirkung sein; es wird eine Wirtschaftskrise schwerster Art her- 
vorrufen, deren verheerender Wellenschlag weit über die Grenzen 
der nicht beteiligten Staaten hinaus bemerkbar sein und selbst in 
Europa noch nachzittern wird. 
Indessen ist die von Japanern und Nordamerikanern vertretene 
Ansicht, daß sich der Mittelpunkt der Weltgeschichte unabänderlich 
dem Stillen Ozean zu bewege, weiter nichts als ein großer histo- 
rischer Trugschluß, der jeder tellurischen Begründung bar ist. 
Mögen in Zukunft auch einige gewaltige Schlachten, Riesen- 
fAr
	        
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