Full text : Wirtschaftlichkeitslehre

um zu beweisen, daß man etwas tiefer und gründlicher schürfen
muß, wenn man die treibenden Kräfte begreifen will, die jetzt So
allgemein zur Rationalisierung führen, wenn man Sinn und Wesen
dieser neuen und wichtigen Phase der Lehre und der Politik der
Volkswirtschaft erfassen soll.
Es ist daher ein durchaus »rationelles« Unternehmen, eine befriedigende
 Antwort auf diese Grundfragen des Rationalisierungswesens
 zu suchen. Dabei muß man sich davor hüten, zu glauben,
daß wieder einmal, wie schon so Oft in der sozialen und Wirtschaftsgeschichte,
 mit einem bloßen Schlagwort (Mutterschlagwort)
 eine Besserung der tatsächlichen Verhältnisse erzielt werden
könne; nur das rationelle Denken und Handeln sind es, von denen
der Erfolg im Wirtschaften, mithin auch bei der Anwendung dieser
oder jener Rationalisierungsmaßregel abhängt. Denn nicht bloß äußere
Rationalisierung, wie z. B. die Einstellung einer neuen, noch automatischer
 arbeitenden Maschine oder einer vielgepriesenen Bureaumaschine
 oder die organisatorische Beratung allein bringen Erfolg.
Rationalisierung ist im Wesen nichts Neues, nichts anderes als
die neuzeitliche, systematische und allgemeine Anwendung des
altbekannten »wirtschaftlichen Prinzipes«, d. i. die Erzielung
des größtmöglichen und dauernden wirtschaftlichen Erfolges mit dem
geringstmöglichen Aufwand an (toter und lebendiger) Energie. Die
Beseitigung des »Leerlaufes« im technischen Sinne, der » energetische
[mperativ« Wilhelm Ostwalds sind nur konkrete Formulierungen
des »wirtschaftlichen Prinzipes«. Nicht so sehr »die Vermehrung
und Verbilligung« der Produkte, wie dies z. B. das (deutsche)
‚Reichskuratorium für Wirtschaftlichkeit« behauptet, sind Zweck der
Rationalisierung, sondern lediglich deren Begleiterscheinung, etwa auch
deren Folgewirkung. Auch die bessere Befriedigung der Bedürfnisse
ist nicht, wie am angeführten Orte und auch sonst oft gesagt wird,
das Wesen der Rationalisierung; viel eher könnte man ihr als einen
hauptsächlichen Zweck die Verbesserung des persönlichen Arbeitsverhältnisses,
 der Beziehungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer,
 zuschreiben (soziale Rationalisierung), Es ist ferner eine
lückenhafte, einseitige Auffassung der Rationalisierung, wenn man
sie so häufig auf Industrie und Technik beschränkt und dabei
zwar die physiologisch-psychologischen Probleme der (industriellen)
Arbeit miteinbezieht, die soeben erwähnte, weit wichtigere soziale
Seite des Arbeitsverhältnisses aber übersieht.
            
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