Full text: Wirtschaftlichkeitslehre

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Muskelkraft und das gleichzeitige Einsetzen von Hilfsmuskulaturen 
bei Ermüdung erforscht, so die »Ergo-Schule«, die Dynamometrie; 
man bedient sich der Messung des Blutdruckes, des Herzschlages 
u. a. Neuerdings wurde die Methode angewendet, die Sauerstoffmenge 
zu bestimmen, die der Mensch zur Unterhaltung der Oxydation 
braucht, welche durch die Energieausgabe bei der Arbeit verursacht 
wird. Die »Deutsche Gesellschaft für Gewerbehygiene« behandelte 
in ihrer Tagung 1927 diese Methode kritisch. Man kann z. B. die 
Rationalität (Optimum) körperlicher Arbeit durch Bestimmung des 
Sauerstoffbedarfes erforschen, ebenso unproduktive Arbeitsformen, 
°erner die beste Haltung des Arbeiters, die beste Lage und Form 
les Werkstückes und der Werkzeuge, das für die Dauer günstigste 
Tempo der Arbeitsbewegungen kann exakt erhoben werden (was 
besonders für die Fließarbeit wichtig ist). Auch ist man bestrebt, 
die Abhängigkeit der Ermüdung von der gewerbehygienischen 
»Umwelt« (Arbeitsstätte — Licht — Luft u. a.) zu bestimmen. Nach 
M. Lukieski (»Licht und Arbeit«, 1926) ist z. B. die in Deutschland 
zebrauchte Lichtstärke nur die Hälfte der in Amerika üblichen, die 
aber selbst vier Fünftel hinter der Lichtstärke zurückbleibt, die von 
der Wissenschaft als hygienisch wünschenswert bezeichnet wurde. 
Über die exakte Ermittlung der rationellen (optimalen) Arbeits- 
zeit und der Pausen wird, wegen der Wichtigkeit dieser Frage, 
in einem besonderen Abschnitte gehandelt. 
Die bisherigen Methoden sind allerdings zumeist Laboratoriums- 
versuche, die also nicht ohne weiteres in die Praxis übertragen 
werden können; aber sie haben doch starke Annäherung an die 
Wirklichkeit — allerdings soweit die bloß physiologische Seite 
der Ermüdung usw. in Betracht kommt. Die »Müdigkeit«, die 
psychische Seite des Phänomens, ist noch weniger erforscht und 
gerade davon hängen aber Leistung und Wirkung der Arbeit auf 
den Arbeitenden oft sehr stark ab. Der in der Praxis meist ver- 
wendete Ermüdungstest: der »Leistungsabfall« z. B. ist von so 
vielen Umständen (auch psychischen) bedingt, daß er kein objektiver 
Maßstab genannt werden kann. Daher müssen die Methoden noch 
weiter ausgebaut werden, u. zw. durch ständige Zusammenarbeit 
von Ingenieuren, Ärzten (Physiologen), wie z. B. im Frankfurter 
»Institut für Arbeitsforschung«; außerdem müssen Volkswirte und 
Psychologen mitwirken; selbstverständlich ist die Mitarbeit von Ver- 
*retern der Unternehmer und Arbeiter.
	        
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