Full text : Wirtschaftlichkeitslehre

133

welche Wirkung die Rationalisierung auf die Lohnhöhe übe. So
befaßte sich auch der erwähnte Kongreß für sozialen Fortschritt
eingehend mit diesem Probleme. Im Berichte Professor Devinats!
wird ausgeführt, daß viele glauben, die Rationalisierung beabsichtige
und bewirke, nach dem amerikanischen Beispiele, eine Erhöhung
der Löhne. Andere dagegen befürchten eine Senkung der Löhne,
weil die Rationalisierung zunächst Arbeiter frei setzt, was naturgemäß
einen Druck auf das Lohnniveau übt. (Über die Frage der Arbeitslosigkeit
 wird unten gehandelt.) Die Erhöhung der Löhne ist dort
zerechtfertigt, wo die Rationalisierung vom Arbeiter größere Anstrengung
 verlangt; die Rationalisierung ist aber oft rein arbeitstechnischer
 oder betriebsorganisatorischer Art, die Arbeitsintensität
aber wird nicht gesteigert und die höhere Stückleistung ist dann
auf” Umstände zurückzuführen, an denen der Arbeiter kein Verdienst
hat, so daß er eigentlieh keinen höheren Lohn beanspruchen könnte
Es ist unrichtig, wenn in der Debatte des Kongresses vielfach angenommen
 wurde, daß jeder Steigerung der Produktion auch eine
größere Anstrengung des Arbeiters entspreche. Devinat bemerkte hiezu
— mit vollem Rechte, wie wir glauben —, daß der Unternehmer
trotzdem gut tun wird, schon aus psychologischen Gründen,
höhere Löhne zu zahlen, weil er bei der Einführung rationeller
Methoden die willige Mitarbeit der Arbeiter braucht, um die
Reibungen im Verfahren oder Arbeitsflusse raschestens zu beheben,
die bei einer Umstellung des Betriebes so oft eintreten. Wir möchten
noch hinzufügen, daß man zwischen Stücklohn und Tages- oder
Wochenverdienst unterscheiden muß. Die Rationalisierung bewirkt
die Herstellung einer größeren Stückzahl, mithin automatisch einen
höheren Zeitverdienst, falls nicht der Stücklohn allzu stark herabzesetzt
 wurde (was psychologisch gewiß eine sehr verkehrte Maß-‚egel
 wäre).
Eine andere lohnpolitische Frage ist die Hebung des Reallohnes,
 die durch die Verbilligung des Produktes — als eine häufige
Folge der Rationalisierung — bewirkt wird; dabei kann der Geldohn
 sogar gleichgeblieben sein. Insbesondere von H. Ford wird
liese lohn- und konsumpolitische Absicht der Rationalisierung beichtet.
 Devinat und andere Redner des Kongresses glaubten, daß
liese Auffassung für Europa nicht allgemein zu empfehlen sei
1 Vgl. den ausführlichen Bericht über diesen Kongreß in »Sparwirtschaft«, Heft 11,
1927 (Wien).
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.