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technische, volkswirtschaftliche und sozialpolitische Sachverständige
gehört worden wären. Vor allem kommt es auf die Zeitdauer und
das Tempo der Arbeit an. Ist die Dauer nicht zu lang, das Tempo
nicht zu schnell, sind rationell gelegte Pausen vorhanden, wird für
vernünftige Beschäftigung in der Freizeit (Turnen, Sport, Belehrung u. a.)
gesorgt (wozu gerade in der jetzigen Zeit außerordentlich Gelegenheit
und Anleitung geboten werden), So tritt ein gesunder Ausgleich in
der Beanspruchung aller Muskeln und Nerven ein oder der Ab-
nützungskoeffizient wird auf nahezu Null herabgedrückt. Kommt
dazu der wohltätige (auch physiologisch gesprochen) Einfluß des
Rhythmus der Arbeit, so wirken auch psychologisch günstige
Momente einer allzu starken oder allzu raschen Abnützung einzelner
Muskeln entgegen. Freilich wird sich stets mit der Zeit eine allmähliche
Abnützung wie bestimmter Muskeln so auch des ganzen Körpers ein-
stellen — gegen das natürliche Altern ist kein Kraut gewachsen;
aber vielleicht entdeckt ein arbeitsphysiologischer Steinach oder
Boronoff auch noch dieses Kraut. Die Vertreter der Rationalisierung,
die sie aus triftigen volkswirtschaftlichen und handelspolitischen
Gründen verteidigen, müssen — und darin gehen sie mit jedem
Sozialpolitiker und Sozialhygieniker einig — nur dafür sorgen, daß
die automatisierte, gleichförmige Arbeit nicht zu lange dauere, daß
nötigenfalls ein Arbeitswechsel vorgenommen werde, daß ferner das
Tempo optimal gewählt werde und schließlich daß für andersartige
Beschäftigung — in den Pausen und außerhalb der Betriebe — Vor-
sorge getroffen werde.
Auch der erwähnte internationale Kongreß für sozialen Fortschritt
gelangte, nach dem Berichte Devinats, zu einem ähnlichen Ergebnisse.
Es wird sogar festgestellt, daß die Automatisierung, die Wiederholung
ziner und derselben Arbeit, nicht bloß die Leistung steigert, sondern
auch sogar dem Arbeiter die Arbeit erleichtert; nicht automatisierte
Arbeit strenge wesentlich mehr an, insbesondere auch geistig. Bei
der Automatik ergebe sich Freiheit im Spiele der Gedanken des
Arbeitenden, die in manchen Fällen durchaus angenehm empfunden
werde. Berichte aus allen Ländern bezeugen, daß die Monotonie
ur selten ungünstig auf die Persönlichkeit des Arbeiters wirke, sogar
manche Intelligenzgruppen empfänden eine monotone Arbeit durchaus
nicht unangenehm. Gegen Monotonie seien viel weniger Arbeiter
empfindlich, als man in intellektuellen Kreisen oft annimmt. Übrigens
xönne die Eignungsprüfung sich auch auf Monotonieempfindlich-