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die holländische Papierindustrie bald die französische in den Schatten
stellte.
Den meisten Gewinn aus dieser Einwanderung zog
wohl Haarlem; hier entstand schon 1666 eine Spiegelfabrik,
1679 eine Glasbläserei; es folgten Fabriken von Tuch und Kaffa,
Strümpfen und Mützen; ferner von Gazen, Zwirnen, Garnen. Die Stadt
blühte schnell auf. In Dor drecht erfuhren die Gold- und Silber-
drahtfabriken, die Tuch- und Garnindustrie neue Anregung. In
Zaandam wurden zwischen 1680 und 1690 Färbe- und Schnupf-
tabakmühlen errichtet; in Gouda begünstigte 1692 der Rat
die Tuchmacher durch Prämien, was 1695 noch erweitert wurde‘).
In Middelburg erwarben 1685—1698 227 französische Flücht-
linge das Bürgerrecht, darunter 8 Schneider, 15 Leineweber, 9 Woll-
kämmer, 10 Schuhmacher, 3 Hutfabrikanten usw.?). Ferner wurde
der Buchhandel und die Buchdruckerei durch die Einwanderung in
hohem Grade befördert; hatten die französischen Zensurgesetze
diesem Gewerbe in Holland schon manche Nahrung zugeführt, so
entwickelte sich jetzt ein ausgedehnter Nachdruck französischer
Bücher, aber auch ein sehr lebhafter Buchhandel, der in geistiger,
politischer und wirtschaftlicher Hinsicht dem Lande viel genützt
und bis zu der späteren Zentralisierung des Buchhandels in Leipzig
die Niederlande zu einem Mittelpunkt des Buchhan-
dels gemacht hat?).
Wenn der Einwanderung der Refugies zweifellos eine mäch-
tige Wirkung auf die niederländische Industrie beizumessen ist, so
ist es doch irrig, wenn man dieser Einwanderung erst die Schaffung
eigentlicher Manufakturen zuschreiben will*). Damit steht im Wi-
derspruch die Tatsache, daß schon früher eine ganze Reihe fabrik-
mäßiger und hausindustrieller Betriebe bestanden haben, die, mit
oder ohne zünftlerische Organisation, als vollwertige Manufakturen
im Gegensatz zur individuellen Handwerksarbeit anzusehen waren.
Gerade auf die höchst bedeutende Leidener Textilindustrie hat die
Einwanderung der Refugies, wie wir sahen, nur einen ganz geringen
Einfluß gehabt; und der freien Ausübung ihres Gewerbes, die man
3 Berg, S. 198:
2?) Pringsheim, Beiträge, S. 32, Anm. 4.
3 Berg, 5S. 1761, Beckmann, Ss. 450; Nemnich, S. 333 ff.
@ Pringsheim, S. 32; dagegen schon van Ravesteyn, S. 164 f.