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Tag zu Tag rascher, weil die Unternehmungen daran sind, ihr
Personal und ihre Käuferschaft an ihren Betrieben zu interessieren.
Den Unternehmungen wurde derart eine Solide finanzielle Basis
gesichert und die Kapitalsbeschaffung immer mehr erleichtert; der
Aktienerwerb sei stets mehr begünstigt. »Die Millionen amerikanischer
Männer und Frauen, die in Arbeit stehen, werden auch Eigentümer der
nationalen Industrie werden.« Das ist friedliche Sozialisierung,
ahne jedes Gesetz und ohne Politik; das gibt aber auch Bürg-
schaften gegen ungünstige soziale Erscheinungen, falls einmal eine
Krise eintreten sollte.
Wo viel Licht, ist auch viel Schatten. Jene europäischen Volks-
wirte, die mit süßsaurer Miene über die Eigentümlichkeiten des ameri-
zanischen Wirtschaftslebens urteilen und ihm ärgere soziale Kämpfe
orophezeien als je in Europa vorkamen, sind dann auch mit einer
Reihe von Argumenten gegen die Gewinn- und Kapitalsbetei-
tigung auf den Plan getreten. Daß die (älteren) Lehrbücher der
Nationalökonomie (von Schmoller, Philippovich, Gide u. a.) diese
Einrichtung nur sehr nebenher und nicht immer günstig beurteilten,
darf nicht wundernehmen. — Die Zeiten und in ihnen die Sitten
und Anschauungen haben sich aber gründlich geändert. Deutlich
erhellt dies z. B. aus dem Einwande Schmollers, daß mit der Ge-
winnbeteiligung der Arbeiter diese auch das Mitbestimmungsrecht
verlangen würden; und Philippovich glaubte noch, daß diesesInstitut
auf wenige Betriebsarten, u. zw. auf solche beschränkt bleiben müsse,
wo besonders qualifizierte Hilfskräfte arbeiten. Immerhin erkennt
Schmoller an, daß eine Aktiengesellschaft mit Gewinnbeteiligung
ieichter zu leiten ist als eine Produktivgenossenschaft, mit der sie
Ähnlichkeit habe. Warm tritt der Franzose Gide für die Gewinn-
beteiligung ein: sie hebt die Würde des Arbeiters, steigert die Pro-
duktivität der Arbeit, erhöht das Einkommen des Arbeiters, verringert
lie Gefahr der Arbeitslosigkeit und verbessert die Beziehungen
zwischen Unternehmer und Arbeitern — also in nuce schon 'die
Erkenntnis des Wesens der »sozialen Rationalisierung «.
An Einwänden gegen die Beteiligung, wie sie in neuerer Zeit
z. B. von dem Schweizer Wirtschaftspolitiker Dr. Tschumi u. a.
vorgebracht wurden, sind die folgenden zu besprechen.
Der durchschnittliche Arbeiter wird, trotzdem er Werksaktien
sesitzt, dorthin gehen, wo höherer Lohn oder bessere Arbeit winkt,
also doch kein nachhaltiges Interesse am Betriebe nehmen; denn