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für 1928 ‚widmet allen kulturellen Zwecken knapp 4 Prozent der
präliminierten .Einnahmen, der eigentlichen Forschung gar nur
L. Prozent. In anderen Staaten sind diese Ausgaben weit größer.
Zwar kommen noch die Ausgaben der Bundesländer und Gemeinden
dazu. (für Volks- und Hauptschulen, . für Fach- und Mittelschulen),
aber Forschung und Wissenschaft sind im wesentlichen auf den
Staat angewiesen. Es fehlt in Österreich sogar an einer modernen
allumfassenden Statistik. Man verlasse sich nicht allzusehr. auf
»soziale Stiftungen«, d.h. auf Spenden von privater Seite, auf die
»Freunde« dieser oder jener Forschungsstätte, einer Hoch- oder
Fachschule. Wohl lehren noch immer erste Kräfte an den öster-
reichischen Hochschulen, aber es fehlen in Wien .so manche neu-
zeitliche Forschungsinstitute und so manche angesehene Gelehrte
zonnten nicht für Österreich gewonnen werden, andere zogen ins
Ausland, wo ihnen alle materiellen und geistigen Mittel der Forschung
in reichem Maße zur Verfügung gestellt wurden. Mehr Bildung,
mehr führende Persönlichkeiten der Wissenschaft sind auch ge-
signete Mittel besseren Wirtschaftens, günstigerer außenwirtschaft-
licher Entwicklung. Professor Oppenheimer sprach einmal von den
Naturwissenschaften als einer Kapitalsanlage (d. h. des Staates und
der Volkswirtschaft), die reiche Zinsen trägt, weil mit ihrer. Hilfe
Elementarereignisse bekämpft, Menschen, Tiere und Pflanzen gesünder
und mehr immun gegen Erkrankung gemacht werden können.
Von besonderer Natur sind die vom Staate oder einer Gemeinde be-
triebenen wirtschaftlichen Unternehmungen. Es ist immer strittig
zewesen, ob Öffentliche Betriebe an sich rationell seien und ob sie
überhaupt rationell geführt werden können. Jedenfalls wirken Bureau-
kratismus, Fiskalismus und (politischer) Nepotismus auf diese Betriebe
>ft stark ein und stellen ihre Rationalität sehr in Frage. In den
Österreichischen Bundesbahnen haben wir ferner ein Beispiel kennen-
zelernt, welches uns lehrt, daß auch solche Zwitterdinge (gemischt-
öffentliche .Betriebe u. ä.) nicht immer ein rationelles Gebilde dar-
stellen, ebensowenig wie die meisten »gemeinwirtschaftlichen« Unter-
ı1ehmungen (Sozialisierung). Der Hauptgrund .der Irrationalität . liegt
wohl darin, daß derartige unklare, mehreren ‚divergenten — darunter
oft auch politischen — Zwecken gleichzeitig dienende Konstruktionen
aus öffentlichen Beamten, die sie leiten sollen, in der Regel schlechte
Geschäftsleute machen, wogegen Geschäftsleute, die man dazu heran-
zieht, .kaum gute Beamte werden. Als. ein Beispiel seien die öffent-