Full text: Wirtschaftlichkeitslehre

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falls eine völkervereinigende Politik treiben, ist bekannt — ihre 
gemeinschaftliche Arbeit, wie sie Z. B. 1926 in Stockholm, 
1927 in Lausanne beschlossen wurde, würde ihre Wirkung auf die 
Geister noch bedeutend steigern. 
Den versöhnlichen Tendenzen stehen nun in fast jedem Lande 
stark national oder nationalwirtschaftlich (autark) gerichtete 
Kreise gegenüber, welche jede Äußerung oder Handlung, die in 
der Richtung der internationalen Versöhnung liegt, als Volksverrat, 
als eine vom Erbfeinde erkaufte Intrige brandmarken. Diese Auf- 
fassung hat nun insofern recht, als die politischen Lose derzeit in 
der Tat ziemlich ungleich verteilt sind, als z. B. Italien (sacro 
2goismo) seine territorialen Ansprüche womöglich nach der Land- 
karte des römischen Weltreiches bemessen will, während umgekehrt 
den Deutschen, die nur kraft des Selbstbestimmungsrechtes jedes 
Volkes die Vereinigung aller geschlossen deutschen Siedlungs- 
gebiete verlangen, schon deshalb Imperialismus, Pangermanismus 
vorgeworfen wird. ... 
Wir hielten es für geboten, der Besprechung der Rationalisierung 
der internationalen oder Weltwirtschaft diese wenigen international- 
politischen Bemerkungen vorauszuschicken, um deutlich zu machen, 
wie vielseitig verankert die weltwirtschaftlichen Probleme sind, 
und wie schwer es fallen muß, sie halbwegs rationell zu lösen. 
Wenden wir uns nun diesen Problemen selbst zu, So finden 
wir ihrer hauptsächlich drei Gruppen, deren Behandlung verschieden, 
mit verschiedenen Mitteln und auch mit verschiedenem Erfolge, 
stattzufinden hat: 1. die sozusagen unpolitische, rein sachliche 
Gruppe weltwirtschaftlicher Verkehrsakte; 2. die internationalen 
Abmachungen privater Interessenten (Industrielle, Landwirte, Kauf- 
leute u. a.) und 3. die internationalen staatlichen Akte und Ver- 
träge wirtschaftspolitischen (hauptsächlich bevölkerungs-, 
handels- und finanzpolitischen) Inhaltes. Es ist auf den ersten 
Blick zu sehen, daß diese Dreiteilung nicht scharf durchzuführen 
ist, denn jede Gruppe spielt in die anderen zwei hinein, beeinflußt 
— fördert oder hindert — deren raschere Regelung. Die Inter- 
dependenz, die Komplementarität herrscht eben auch in der Welt- 
wirtschaft und hier vielleicht noch viel rücksichtsloser als in den 
Nationalwirtschaften. Immerhin hebt sich doch ein verschiedenes 
Tempo der internationalen Regelung ab, je nachdem wir die eine 
oder die andere Gruppe behandeln.
	        
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