4. Kap. Volkszahl und Nahrungsspielraum in ihrem Zusammenhang usw. A441
entstehen, „wo in der Tat die Hauptfortschritte der Menschheit be-
ständig ihre erste Ausbildung erfahren müssen“. Diese zunnehmende
Verdichtung der Menschheit ist aber für Comte auch noch weiter-
hin eine Ursache für die allgemeine Beschleunigung der sozialen
Bewegung, „wegen der förmlichen Umwälzung, die so der ent-
scheidende Antagonismus zwischen dem Erhaltungstriebe und dem
Erneuerungstrieb erfahren muß, wobei dieser letztere dann offenbar
einen bedeutenden Zuwachs an Energie erlangen muß“. Wir wissen
auch, daß gerade aus dem Gegensatz dieser Triebe als Folge des
Volkswachstums zahlreiche Schattenseiten unserer neueren kulturellen
und gesellschaftlichen Entwicklung zu erklären sind.
Allein schon die Bildung der Städte, wie überhaupt der Zug
vom Land nach der Stadt, hängt auf das engste mit dem Volks-
wachstum zusammen und welch starke gesellschaftliche Wand-
lungen dann damit verbunden sind, also unmittelbar durch das
Volkswachstum erzeugt werden, das hat K. Marx mit besonderem
Nachdruck hervorgehoben. „Die Grundlage aller entwickelten und
durch Warenaustausch vermittelten Teilung der Arbeit“, so sagt
er, „ist die Scheidung von Stadt und Land. Man kann sagen, daß
die ganze ökonomische Geschichte der Gesellschaft sich in der Be-
wegung dieses Gegensatzes resumiere“*), An anderer Stelle hat er
über diesen Zusammenhang gesagt: „In dem Maße, in dem sich bloß
dies Verhältnis der Stadt zum Land modifiziert, modifiziert sich die
ganze Gesellschaft. Um nur diese eine Seite der Arbeitsteilung
ins Auge zu fassen, so ergibt sie uns hier die antiken Republiken,
dort den christlichen Feudalismus, hier das alte England mit seinen
Landbaronen, dort das moderne England mit seinen Baumwoll-
baronen“. „Es bedurfte in Deutschland“, so fährt er fort, „ganzer
dreier Jahrhunderte, um die erste bedeutende Arbeitsteilung her-
zustellen, nämlich die Trennung von Stadt und Land“ 2).
Freilich gibt es daneben auch zahlreiche andere Zusammen-
hänge, die ursächlich mit dem Umfang und der Art des Volks-
wachstums zusammenhängen und die tief in das gesellschaftliche
Gefüge hineingreifen. Es sei nur auf die Probleme verwiesen, die
man zusammenfassend als qualitative Bevölkerungsfrage
bezeichnen kann, die es in erster Linie mit der Beschaffenheit
der Menschen zu tun hat. Für den an dieser Stelle maß-
gebenden Zusammenhang handelt es sich dabei um den HEin-
5 Kapital, a. 8. O., Bd. ı, S. 317.
2) Elend d. Philosophie, 2. Aufl., 1892, S. 111£.