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daß er jene Angaben auf den Briefen erst suchen mußte. Manche
Drucksachen der Unternehmungen der Gemeinde Wien, z. B. der
Gaswerke, sind nicht nur nicht genormt, sondern tragen auch keine
Fernsprechnummern u. ä,
Ettl faßt die »zwölf Gebote« der Normung in gefälliger Über-
sicht zusammen; Normung ist:
L. nützliche Gemeinschaftsarbeit, ein Vorteil für jeden einzelnen;
2. billigere Herstellung, weil Massenerzeugung;
3. Ersparung an Rohstoffen, weil sie Auslese des Notwendigsten ist;
4. vereinfachte und daher billigere Lagerhaltung;
5. verringerte und billigere Haltung von Werkzeugen;
6. leichtere Austauschbarkeit der Bestandteile;
7. Verkürzung der Lieferzeiten, besonders für Ersatzteile;
8. Entlastung des Personals von überflüssigen Konstruktions-
ınd Schreibarbeiten;
9. Verminderung der Kosten für die Anlernung neuer An-
gestellter;
10. Vereinfachung der Betriebsorganisation und wirtschaftlichere
Fertigung;
11. Kauf derselben Erzeugnisse an verschiedenen Orten und
Stellen, d. h. Wahl des bequemsten Bezugsortes, und
12. Verteilung großen Bedarfes auf verschiedene Lieferanten,
Die Normung bringt aber auch dem internationalen Ver-
kehre große Vorteile, worauf in der erwähnten Konferenz (New
York, April 1926) hingewiesen wurde. In der Regel gibt es für ein
Erzeugnis mehrere Erzeugerländer; die Verbraucherländer (Käufer)
haben ein Interesse daran, bei diesen Erzeugern nach gleichen
Lieferbedingungen bestellen zu können und wirklich gleiche
Ware zu erhalten. Z. B. sind Anbote aus verschiedenen Ländern
auf eine elektrische Anlage in einem Südamerikastaate nur ver-
gleichbar, wenn alle Anbote auf Grund gleicher (genormter) tech-
nischer Bedingungen erstellt sind (bezüglich Spannung, Isolierungs-
festigkeit, Belastungszulässigkeit, Sicherheit u. a.). Umgekehrt haben
die Erzeugerländer ein Interesse daran, daß ihnen von den ver-
schiedenen Käufergebieten gleiche Lieferbedingungen gestellt
werden. Die Normung ist daher, was man von dieser schlichten,
sachlich-technischen Reform kaum glauben würde, »ein wichtiges
Instrument der Weltwirtschaft«. Dies wurde zuerst in England
erkannt, das auch die Anregung zur New Yorker Konferenz gab.