Full text: Wirtschaftlichkeitslehre

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Nach dem Gesagten ist nicht mehr viel zu den üblichen Ein- 
wänden gegen die Normung zu bemerken. Sie zerstört deshalb nicht 
den »individuellen Charakter« der Ware, und ist deshalb kein Feind 
des Kunstgewerbes, weil sie sich ja nur auf Gegenstände des täg- 
lichen Gebrauches erstreckt, wo eben ein wirtschaftliches Bedürfnis 
nach ihr besteht. Hat es z. B. einen Sinn, daß eine Bank täglich 
L000 Briefe erhält, bei denen 100 verschiedene Formate und Größen 
vorkommen? Welcher »Leerlauf« der Bureauarbeit nur beim Öffnen 
lieser Briefe! Und eine rationelle Ablage ist unmöglich. Dagegen 
kann man ja gewisse Fertigwaren, wie Spielzeuge, kleine Keramiken 
und Bronzen u. ä., verschiedenmaßig herstellen, obwohl derlei 
Krimskrams nur selten eine »künstlerische Note« zeigt. Aber: 
Besen, Mörser, Suppenteller, Trinkgläser zum täglichen Gebrauch 
sind unbedingt zu normen (und zu standardisieren). In den Ab- 
schnitten über hauswirtschaftliche und agrarische Rationalisierung 
wolle man andere Beispiele nachlesen. Ein Vorwurf kann allerdings 
den Normungsausschüssen — die wie alle Rationalisierungsorgani- 
sationen durchaus ohne Zwang arbeiten — nicht erspart werden: 
sie arbeiten etwas zu langsam und sollten ihrer wichtigen Aufgabe 
im Dienste der Volkswirtschaft doch etwas mehr Nachdruck verleihen. 
Typisierung, Standardisierung, Spezialisierung. 
Wir gelangen nun zur Besprechung jener Maßregeln der Ratio- 
nalisierung, die man speziell in Europa »Typisierung« und 
»Standardisierung« nennt, während die amerikanischen Fach- 
leute unter »standardization« die Vereinfachung (simplifying), Ver- 
einheitlichung, Verbesserung und Verbilligung der Produktion (und 
des Absatzes), kurz die gesamte rationelle Organisation des Betriebes 
zu verstehen pflegen. In Europa, besonders in Deutschland, Österreich 
und anderen Nachfolgestaaten, heißt » Typisierung « (auch »Typung«) 
die Methode, nach welcher man eine bestimmte, nicht zu große 
Zahl von Typen (Sorten, Arten) eines Gegenstandes herstellt. Es 
ist irrationell, z. B. Motore für jeden Besteller in besonderer Gestalt 
und PS.-Leistung herzustellen, also 3-, 5-, 7 1/,-. . .30-, 25-, 351/ pfer- 
dige usw. Motore. Umgekehrt verlangen die Käufer durchaus ver- 
schiedentypige Motore, einer z. B. wünscht einen 42 pferdigen Motor, 
die Motorenfabrik baut aber nur 40- und 43 pferdige. Es ist kein 
Wort darüber zu verlieren, daß weitgehende Typung gerade wichtiger 
Produktionsmittel und Bedarfsgegenstände wesentlich zur Verein- 
Kobatsch. Wirtschaftlichkeitslehre.
	        
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