Full text: Wirtschaftlichkeitslehre

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beruht zum großen Teil — abgesehen von der starken landwirt- 
schaftlichen Quote — auf mittleren und kleineren Betrieben der 
Fertigwarenerzeugung. Zudem ist im französischen Wirtschafter 
noch starker Individualismus und Traditionalismus ausgeprägt. Man 
defürchtet von der Rationalisierung, daß dann der für die mittleren 
ınd kleineren Betriebe notwendige Nachwuchs nicht mehr heran- 
gebildet werden könnte. Die Inhaber dieser Betriebe wollen ihre 
Eigenart und ihre Selbständigkeit behaupten und scheuen daher die 
Konzentration. Trotz dieser Widerstände hat aber auch in Frankreich 
der Zusammenschluß ebenso wie die Rationalisierung Anhänger ge- 
wonnen. Während aber für Deutschland die Form der Konzentration 
die Fusion oder der Trust ist, wird hiefür in Frankreich (wo die 
Kartelle, welche die freie Preisbildung gefährden, nach der Ver- 
fassung und dem Strafgesetz geahndet werden) mehr das — auch 
gesetzlich begünstigte — »Syndikat« oder eine lose Vereinbarung 
gewählt oder eine Berufs(Branchen)vertretung mit dieser Aufgabe 
betraut, So daß die geschäftliche Selbständigkeit der Betriebsinhaber 
nöglichst gewahrt bleibt. Dabei macht aber die Mechanisierung der 
Arbeit, die Zerlegung und Vereinfachung des Arbeitsprozesses, selbst 
die Standardisierung der Waren (natürlich abgesehen von allen Luxus- 
und Kunstgewerben) ständig Fortschritte. Jedenfalls schwankt noch 
das Urteil über die Konzentration. Als zwei Antipoden seien Yves 
Guyot und Loucheur angeführt. 
Guyot, als alter liberaler Dogmatiker, beruft sich auf Ad. Smith, 
wenn er behauptet, daß der freie Markt und die freie Konkurrenz 
am ehesten die Annäherung der Produktionskosten und Verkaufs- 
preise bewirken können. Er ist daher gegen jede Art von Kartellen, 
insbesondere gegen die Rationierung oder das Quotensystem, denn 
das ist ein Kampf gegen den Kunden, während auf freiem Markte 
der Kampf um den Kunden herrscht und preissenkend wirkt. Wenn 
Guyot als Beweis die Politik der U. S. Steel Corporation anführt, 
die den Weltmarkt monopolisieren wollte, die Inlandpreise hoch- 
hielt, aber bewirkte, daß die Vereinigten Staaten bald an die fünfte 
Stelle im Stahlwelthandel gedrängt wurden, worauf man hohe Zölle 
gegen deutschen und englischen Stahl forderte, so übersieht er, 
daß inzwischen die Stahlindustrie Englands und noch mehr die 
Deutschlands sich mächtig entwickelt hatte, was der amerikanischen 
Industrie wahrscheinlich noch mehr Abbruch getan hätte, wenn sie 
nicht organisiert gewesen wäre. Guyot beschwört schließlich eine
	        
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