Full text: Wirtschaftlichkeitslehre

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können und wollen, in zu hohem Maße in Anspruch nehmen und 
dazu den Gewerbetreibenden zu viel Beiträge kosten; außerdem 
gibt es Organisationen nach politischen Gesichtspunkten: eine 
schlagkräftige Interessenvertretung ist unter solchen Umständen 
schwer möglich — ein Fehler an rationeller Organisation. 
Zum Schlusse sei der öfter geäußerte Einwand erledigt, die 
technische) Rationalisierung des Gewerbes schädige die »persönliche 
Note«, die »Qualitätsarbeit«. Aus dem früher Gesagten ergibt sich 
leicht die Widerlegung. Dort, wo es sich wirklich um individuelle 
Arbeiten, um wirkliches Kunstgewerbe handelt, denkt niemand an 
Normung oder Standardisierung; aber das, was u. a. über rationelle 
Organisation des Betriebes gesagt wurde, kann auch vom noch s6ö 
künstlerisch veranlagten Handwerker zu seinem Vorteil angewendet 
werden. Im übrigen dürfen wir uns auf zwei unverdächtige 
Zeugen berufen. Das »Forschungsinstitut für rationelle Betriebs- 
führung im Handwerk« hat 1927 mit der »Arbeitsgemeinschaft 
für deutsche Handwerkskultur« einen engeren Zusammenschluß 
eingegangen. Und die Werkbundtagung in Mannheim (1927) 
trat für die Zusammenarbeit des Bundes und des Handwerkes ein; 
es sei statistisch erwiesen, daß das Handwerk von der oft prophe- 
zeiten Verelendung durch die Industrie weit entfernt ist, es habe 
zine überraschend große Lebenskraft bewiesen. Die Arbeitsgemein- 
schaft mit dem Werkbunde, der bisher mehr die Gestaltung des 
Einzelwerkes gepflegt, werde nunmehr auch die soziale und 
wirtschaftliche Seite der Handwerksfrage beachten. Viel radikalere 
Ansichten äußerte allerdings der moderne Architekt Gropius, der 
vom Verschwinden des Typus »Individualmensch« spricht, den das 
alte Handwerk noch auf uns vererbt habe; es müsse zur Ver- 
schmelzung der Gegensätze von Handwerk und Industrie kommen, 
die auch ein Vorteil für die Angleichung des Nachwuchses sein 
werde, Möglich, daß die Entwicklung diesen Weg nehmen wird; 
wie immer er aber verläuft, muß das Handwerk aus Gründen der 
wirtschaftlichen Selbsterhaltung überall dort, wo es seine Natur 
zuläßt, mit allen Kräften rationeller arbeiten als bisher. 
Zur Erreichung dieser Ziele ist aber wie in der Industrie auch 
die Soziale Rationalisierung im Gewerbe notwendig. In dieser Hin- 
sicht sind die gewerblichen Betriebe (und mittleren Industriebetriebe) 
in einer etwas günstigeren Lage als die Groß- und Riesenbetriebe. 
Es gibt da noch den täglichen persönlichen Verkehr des Betriebs-
	        
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