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sie werden sich — schon kraft des Gesetzes der Nachahmung
"Tarde) — daran gewöhnen. (Ausgesprochene Luxus- oder kunst-
gewerbliche Artikel scheiden selbstverständlich aus.) Der Kaufmann
hat aus der Standardisierung folgende Vorteile: geringere Lager-
kosten, billigerer Einkauf, rascherer Umschlag (weniger Ladenhüter),
leichteres Anlernen des Personals, weniger Aufschreibungen u. a. m.
Diesen gewichtigen geschäftlichen Argumenten gegenüber möge der
Kaufmann nicht mehr allzu ängstlich auf seinem wohlassortierten
Lager beharren; er studiere die Gründe des Absatzes und Nicht-
absatzes, die Wirkungen, die der Gebrauch der Ware auf den
Käufer macht, und suche aus dieser Mannigfaltigkeit die Tendenz,
die Regelmäßigkeiten herauszufinden, um den Markt rationell be-
herrschen zu lernen. So wird er imstande sein, die Rationalisierung
aus der Sphäre des Exakt-technischen (in der Industrie) auch in seine
Sphäre, in die des mehr Problematischen, mit Erfolg zu verpflanzen.
Und man ist beherzt genug gewesen, der besseren Einsicht
auch im Einzelhandel zum Durchbruche zu verhelfen. Es wird dar-
über berichtet, daß in Deutschland, zum Teil auch schon in
Österreich, die Herrenmode standardisiert wurde, z. B. die Hüte
und die Herrenkragen (statt 300 nur — sieben Sorten); ferner die
Haushaltungsgegenstände (Einkochgläser, Töpfe, Ofenringe u. a.);
weiters die Artikel für‘ den Bureaubedarf (Schreibmaschinen,
Papier, Behälter usf.). Auch die Textilien wurden dieser Reform
unterzogen. Man versucht, die große Zahl der Gewebebreiten
zu verringern. Dr. ‚Grohmann (Textilindustrieller in Würbenthal,
Tschechoslowakei) z. B. hat von den rund 2000 Sorten, die er
bisher erzeugen mußte, 200 besonders gangbare Sorten ausgewählt,
diese mit fünf Prozent billiger angeboten, alle anderen — mit fünf
Prozent Aufschlag; nach kurzer Zeit hatte er diese 200 Sorten bei
den Händlern restlos durchgesetzt, zudem Seine Regie ‚erheblich
verringert und so viel erspart, daß er die Löhne erhöhen konnte.
Nun sträuben sich aber die Geschäfte, welche feine Textilien, bzw.
Bekleidungswaren‘ führen, gegen die Standardisierung, weil sie
meinen, ihre Kunden an die mittelguten Geschäfte zu verlieren;
das mag in einzelnen Fällen eintreten, in der Regel wird aber auch
ein feines Geschäft seine Kunden erhalten können, zumal. die
‘einsten Sorten und Qualitäten ja nicht standardisiert werden sollen.
Auch von seiten des Großhandels wurde ein Bedenken gegen
die Rationalisierung geäußert, indem man glaubte, sie werde den