die Zeit der Glücksritter, was aber aus dieser Zeit im Bewusstsein
aller Bevölkerungsschichten noch stark fortlebt, das ist die Ehrung
der Arbeit.
Der Arbeitsminister hatte einen ganzen Stab seiner Beamten aus
weiten Gebieten des Landes zu sich gerufen, um uns auf alle Fragen
erschöpfende Auskunft zu geben. Die Mehrzahl der Beamten war
aus der Gewerkschaftsbewegung hervorgegangen. Die Aussprache
erfolgte völlig ungezwungen. Sie drehte sich um alle wirtschaft-
lichen und sozialen Fragen, besonders auch um den Wirkungskreis
und die Aufgaben der amerikanischen Schlichtungsbehörden zur
Schlichtung wirtschaftlicher und sozialer Kämpfe. Der Minister er-
klärte, alles tun zu wollen, um uns bei unserem Studium jede Er-
leichterung, die er ermöglichen könne, zu verschaffen. Er tat dies
sofortdurch Aushändigung schriftlicher Empfehlungen, die uns leicht
und schnell Eingang zur Besichtigung bedeutender Unternehmungen
verschaffen sollten. Wie wir später erkannten, hätte es dieser Emp-
fehlungen nicht einmal bedurft, denn die amerikanischen Unter-
nehmer öffnen freimütig und zuvorkommend jedem Besucher ihre
Betriebe. Ein Wort unserer Absicht genügte, um zu sehen, was
wir zu sehen begehrten. Dennoch waren uns die Empfehlungen des
Ministers wertvoll. Sie hatten zum Beispiel in den Werken der
„Ford-Motorenkompanie“ von Detroit zur Folge, dass wir uns
nicht den 80 bis 100 Leuten, die, aus aller Welt gekommen, täg-
lich durch die Werke laufen, anschliessen mussten, sondern allein
geführt wurden. Dadurch konnte unser Studium eingehender er-
folgen als unter so vielen. In Begleitung des Arbeitsministers er-
folgte auch eine kurze Begrüssung zwischen uns und dem Prä-
sidenten der Vereinigten Staaten, Coolidge, im Weissen Hause zu
Washington.
Dann ging die Abordnung nach Aflantic-City, einem Badeort von
etwa 50 000 Einwohnern, dem Norderney der Vereinigten Staaten.
Hier sollte am 5. Oktober der 45. Jahreskongress des amerika-
nischen Gewerkschaftsbundes eröffnet werden. Der Saal des Kon-
gresses, auf einer Mole erbaut, die weit vom Ufer in den Atlantic
hineinragt, war in seiner ganzen Umgrenzung mit den nationalen
Farben und dem Sternenbanner geschmückt. Obwohl die Fröffnung
des Kongresses, die Begrüssungsansprachen, die Mandatsver-
lesungen sowie der rein geschäftsmässige Verlauf nicht allzu ver-
schieden waren von Gewerkschaftskongressen in anderen Ländern,
so gab es doch zahlreiche hervorstechende Einzelheiten, die dem
deutschen Auge und Ohr als charakteristisch amerikanisch er-
schienen. Weit bekannt ist, dass diese Tagungen mit eines Geist-
lichen Gebet für den Erfolg der Gewerkschaftsbewegung beginnen,
eine Gepflogenheit, die auch im Parlament der Vereinigten Staaten
herrscht. Auffallend stark und nicht ohne Stolz wurde immer
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