Die Wirkungen auf die Produktionskosten
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im Detailhandel, strittig sein, ob nach der üblichen Auffassung die
allgemeinen. Vertriebskosten mit einzubeziehen sind. Notwendig ist
aber die Einbeziehung für die namentlich in der Industrie wichtige
Gegenüberstellung von Produktionskosten und Verkaufspreis, In der
Praxis wird der letztere durch einen perzentuellen Aufschlag für Unter-
nehmergewinn auf die Produktionskosten ermittelt, doch ist dies nur
ein Versuch, denn der Verkaufspreis hängt nicht von den Kosten, sondern
vom Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage ab, in welchem die
Kosten nur ein Element bilden.
Die Materialkosten lassen sich gewöhnlich nur im bescheidenen
Maße herabdrücken. Eine Steigerung der Ausbeute beim Rohmaterial
ist selten mehr möglich, weil der technische Erfindungsgeist in dieser
Hinsicht ohnedies nicht müßig war. Das glänzendste Beispiel bietet
wohl die Zuckerindustrie, die freilich nicht bloß unter der Peitsche der
Konkurrenz, sondern auch der einer eigenartigen Verbrauchsbesteuerung
stand. Während sie zur Zeit der Erfindung des Rübenzuckers zu 1 kg
Rohzucker 17 kg Rüben benötigte, genügen heute im Durchschnitte
5 bis 6 kg. Eher wird eine Verbesserung in der Abfallverwertung möglich
sein, weil mit der Menge auch die Verwertbarkeit zunimmt. Man hat
bezeichnenderweise behauptet, daß der amerikanische Petroleumtrust,
die Standard Oil Company, an den Nebenprodukten ebensoviel verdient
wie an dem Hauptprodukt. Größere Vorteile lassen. sich durch den
Engroseinkauf erzielen, weil dann günstigere Preise und Zahlungs-
bedingungen. gelten und die Konjunkturen besser ausgenützt werden
können. Der Transport verbilligt sich bei großen Bezugsmengen, weil
für Stückgut höhere Tarifsätze gelten als für Schiffs- und Waggon-
ladungen. Insbesondere wird die örtliche Beförderung verbilligt durch
Herstellung von Industriegeleisen, welche die Fabrik mit der Haupt-
bahn verbinden, sowie durch Einrichtung von Drahtseilbahnen und
anderen mechanischen Transportvorrichtungen. von einem Betrieb
zum anderen. Die höchste Stufe erreicht hiebei die vertikale Kon-
zentration, weil sie den. verarbeitenden Betrieb vom Markte des Roh-
materials unabhängig macht und eine vollkommene Anpassung an seine
Bedürfnisse ermöglicht.
Eine Ersparnis an Arbeitslöhnen wird um so wichtiger, je weiter
der Produktionsvorgang fortschreitet, weil mit dem höheren Wert des
Fabrikats der Anteil der Arbeitslöhne an den Produktionskosten steigt.
Sie wird aber gerade dann um so schwieriger, weil im allgemeinen Inter-
esse das Einkommen des Arbeiters nicht geschmälert werden darf,
sondern erhöht werden muß. Der Zwiespalt läßt sich nur dadurch lösen,
daß der Arbeitserfolg noch rascher gesteigert wird als der Arbeitslohn.
Das ist das Ziel der in neuester Zeit lebhaft betriebenen Rationalisierung,
die sich nach zwei Richtungen zeigt, in der Standardisierung oder Typi-