Zweites Kapitel
DAS BANKWESEN IM BÜRGERKRIEG
E: ist ein oft gedankenlos wiederholtes, aber nur
halb wahres Wort, daß Morgan kein Selfmademan
war, Allerdings findet sich in seiner Laufbahn nichts,
was dem berühmten Kassenbuch Rocketiellers ähnelt:
9,80 Dollar Einnahme diesen Monat, 5.60 Dollar Ausgabe
für Lebensunterhalt, Überschuß 4.20 Dollar, in klaren,
eckigen, knabenhaften Zügen geschrieben — der erste
Schritt auf das in weiter Ferne liegende Schloß seines
Ehrgeizes zu. Von Anfang an stand Morgan in einer
gewissen Höhe über der Menge, er begann das Leben
in New York mit all der Leichtigkeit, den Vorteilen
und Ansprüchen, deren sich der Sohn eines erfolg-
reichen Bankiers erfreut.
Aber obwohl der Name und die geschäftlichen Be-
ziehungen seines Vaters Junius Morgan Pierpont Mor-
gan eine feste Grundlage lieferten, hat er ein Gebirge
darauf getürmt und stand dann auf dessen höchstem
Gipfel mit all dem Zauber, der die goldschaffende Hand
eines Midas umgibt. Das Kapital suchte ihm in diese
Höhen zu folgen und kämpfte um einen Blick des all-
mächtigen Mannes, dessen Name selbst ein Kapital
und die Gewähr des Erfolges bedeutete, Morgans
Name in Verbindung mit irgendeinem Unternehmen
wog einen ganzen Haufen Goldes auf. Und dieser Zau-
ber, das war sein eigenstes Werk. Durch die Ent-
fernung, die seine zyklopenhafte Autorität und seinen
Einfluß von seiner wenn auch nicht zu verachtenden,
so doch nicht ungewöhnlichen ererbten Stellung
trennte, war er ein Selfmademan.,
Sein Wachstum war langsam, es nahm 50 Jahre
in Anspruch, gezählt vom Jahre 1857 an, als er seine
IK