fullscreen: Entwickelungstendenzen im Aussenhandel Chinas und Japans

Rathgen: Entwickelungstendenzen im Aussenhandel Chinas und Japans. 953 
Die Lücke wird ausgefüllt durch die rapid gewachsene Ausfuhr von Er 
zeugnissen der neu in Japan entstandenen, heute ja so viel erörterten 
Industrien. Im Jahre 1889 deckten sie mit gut 5 Milk Yen reichlich 
7 Prozent der Ausfuhr, 1904 mit rund 120 Mill. Yen nicht viel weniger 
als zwei Fünftel der Ausfuhr. Mit grossen Summen sind allerdings nur 
wenige Artikel beteiligt: über ein Drittel der ganzen Summe entfällt 
auf Seidengewebe, ein Viertel und mehr auf Baumwollgarne. Von 
grösserer Bedeutung sind noch gewisse Baumwollen-Gewebe und Un 
terzeug, ferner Zündhölzer, Matten, Strohborte und neuerdings Zigaret 
ten. Eine grosse Menge anderer Artikel ist durchweg mit ganz kleinen 
Zahlen beteiligt. 
Ich will auf die ganze Frage der Konkurrenz der japanischen In 
dustrie mit okzidentalischen Erzeugnissen hier nicht eingehen. Über das 
Verhältnis zu China ist aber hervorzuheben, dass ein grosser Teil dieser 
japanischen Industrieerzeugnisse seinen Markt in China findet, dort aber 
bei den wichtigsten Dingen, Baumwollgarne und Zündhölzern, bereits 
chinesischer Konkurrenz begegnet. 
Das Ergebnis für Japan ist also: Ohne die Entwickelung der japani 
schen Industrie würde zwar die Ausfuhr Japans auch gewachsen sein 
(1889—1904 in den alten drei Hauptgruppen von etwa 56 auf mehr als 
190 Milk Yen). Die grosse Zunahme aber der Ausfuhr, welche die 
Chinas so stark übertroffen hat, und damit die grosse Steigerung der 
japanischen Kaufkraft, ist wesentlich die Folge der industriellen Ent 
wickelung Japans.*) Ist doch auch die Zunahme der Kupfer- und 
Kohlenausfuhr, in gewissem Sinne auch der Seidenausfuhr, mit hierher 
zu rechnen. 
Und nun die E i n f u h r. Auch sie hat sich in beiden Ländern ganz 
umgestaltet, aber in beiden Ländern in verschiedenem Tempo*) und in 
verschiedener Weise. In China stand früher, wie bei der Ausfuhr der 
Tee, so bei der Einfuhr das Opium an der Spitze. 1864 40 Prozent, 
1888/9 ein Viertel, heute nur noch ein Neuntel des Einfuhrwertes dar 
stellend, ist die Einfuhrmenge sogar absolut gesunken, nicht weil die 
Chinesen tugendhafter geworden wären, sondern weil die einheimische 
Produktion mehr und mehr den Bedarf deckt; ja in den letzten Jahren 
fängt China an, Opium auszuführen (1904: 1 446 000 Tis.)! Für den 
Aussenhandel bedeutet das Freiwerden von Kaufkraft für andere Waren. 
1888/9 
*) Durchschnittliche Ausfuhr Chinas 522 Mili. Mk. 
Durchschnittliche Ausfuhr Japans 209 „ „ 
Durchschnittliche Einfuhr Chinas 490 „ „ 
Durchschnittliche Einfuhr Japans 204 „ „ 
1903/4 Zunahme 
666 Mill. Mk. 144 Mill. Mk. 
632 „ „ 423 „ „ 
918 „ „ 428 „ „ 
722 „ „ 518 „
	        
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