Contents : Der Wald und seine Arbeiter

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Die  Lohn-  und  Arbeitsbedingungen  vor  und  nach  dem  Kriege.
Der  größte  Arbeitgeber  in  der  deutschen  Forstwirtschaft  ist  der  preußische
Staat.  Wir  wollen  deshalb  mit  diesem  ansangen  und  eine  Tabelle,  die  die
Löhne  der  Arbeiter  enthält  und  dem  statistischen  Jahrbuch,  des  preußischen
Staates  vom  Jahre  1913  entnommen  ist,  auf  den  Seiten  19  und  20  folgen  lasten.
Die  niedrigsten  Tagelöhne  betrugen  im  Jahre  1911  1,93  Mk.,  die  im  Regierungsbezirk ­
  Oppeln  gezahlt  wurden.  Der  höchste  Satz  mit  3,34  Mk.  wurde
im  Regierungsbezirk  Arnsberg  gezahlt.  Unwillkürlich  muß  sich  jedem  die  Frage
aufdrängen,  wie  es  möglich  war,  zu  solchen  niedrigen  Löhnen  Arbeiter  zu
bekommen.
Die  Nachfrage  nach  Arbeitskräften  in  der  Forst  war  deshalb  in  den  Jahren
vor  dem  Kriege,  groß.  Schon  auf  der  Tagung  des  Forstwirtschaftsrates  im  )
Jahre  1909  wurde  über  zunehmenden  Arbeiterinangel  geklagt.  Einige  Redner
traten  für  eine  Besserstellung  der  Arbeiter  ein.
Iin  allgemeinen  teilte  man  unter  den  Waldbesitzern  diese  ■  Ansicht  nicht.
In  der  Tagung  des  Forstvereins  im  Jahre  1909  sagte  der  Rittergutsbesitzer  j
Bodelschwingk  (Fulda)  folgendes:
„Je  höher  die  Löhne  steigen,  um  so  empfindlicher  werden  die  Arbeiter  gegen
schlechtes  Wetter,  um  so  eher  sind  sie  geneigt,  gerade  dann  zu  Hause  zu  bleiben,  *
wenn  man  sie  braucht."
Er  erklärte  dann  weiter:
„Cs  ist  ein  Akt  der  Liebe,  'wenn  wir  die  Leute  darauf  hinweisen,  daß  fort-  ;
gesetzte  Lohnsteigerungen  nicht  zu  ihrem  Segen  sind."
Die  Herren  haben  nichts  vergessen  und  nichts  hinzugelernt.  Der  Standpunkt ­
  des  Herrn  Bodelschwingk  ist  derselbe  wie  der  seiner  Vorfahren.
In  dem  Buch  eines  Rittergutsbesitzers  von  Engel;  „Briefwechsel,  die  Land-  '
wirtschaft  betreffend",  ums  Jahr  1750,  heißt  es  über  die  R  e  ch  t  e  u  n  d  P  f  l  i  ch  t  e  n  ,
der  Bauern:
„Die  Untertanen  find  von  der  Vorsehung  mit  großer  Weisheit  zur  Arbeit;
und  uns  zum  Dienst  bestimmt,  weil  eine  Gleichheit  der  Stände  in  unserer  Welt)
nicht  stattfinden  kann,  so  daß  sie  (die  Bauern  nämlich)  unsertwegen  da  sind.
Ist  nun  dieses  so,  und  hieran  kann  wohl  kein  vernünftiger  Mensch  zweifeln,:
so  wird's  auch  für  sie  genug  sein,  wenn  sie  soviel  haben,  als  zur  Erhaltung.,
des  Lebens,  um  uns  die  schuldigen  Dienste  leisten  zu  können,  unentbehrlich)
notwendig  ist.  Denn  sobald  sie  ein  Mehreres  haben,  werden  sie  frech  und:
übermütig.  Auf  meinem  Gute  sehe  ich  daher  wohl  zu,  daß  ihnen  nichts  weiter,;
als  was  zur  äußersten  Notdurft  gereicht,  zuteil  werde.  Da  sind  sie  denn  ge-^
schmeidig  und  geben  gute  Worte,  daß  ich  ihnen  in  Bezahlung  der  Gebühren'
nur  eine  kurze  Nachsicht  gönne,  wofür  sie,  außer  dem  schuldigen  Hofdienst  noch)
obenein  gewisse  Tage  umsonst  arbeiten.
Was  brauchen  sie  denn  auch  endlich  weiter,  als  ein  Stück  grobes  Brot;
eine  Kerbe  gesalzenen  Hering,  Kartoffeln,  Kohl  und  was  etwa  ein  kleiner-,
Garten  sonst  hervorbringt?  Können  sie  sich  dabei  nur  einigermaßen  mit  einem
alten  Kleide  bedecken,  so  sind  sie  hinlänglich  versorgt."
            
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