Psychische Isolierung.
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periode in Frankfurt hat Spann die Zahl dieser unehelichen
Mütter auf zwei Drittel berechnen können14, Bei solchen Ehen
kommen dann, wie z. B. die Erfahrungen in Paris lehren, die
unehelichen Kinder, und zumal die Mädchen, sehr schlecht
weg. Entweder wünscht der Ehemann die vorehelichen Fremd-
kinder seiner Frau nicht im Hause zu haben, oder aber er behält
sie zwar im Hause, wird ihnen aber in den Jahren der Ge-
schlechtsreife so gefährlich, daß die Frauen ihre Töchter aus
Eifersucht selbst aus dem Hause zu entfernen pflegen. In
beiden Fällen geraten die unehelichen Kinder der verheirateten
Mutter zu frühzeitig in das Erwerbsleben oder enden auf
der Straße 15,
Auch bei den ehelichen Kindern kommt in hohem Grade die
schlechte Behandlung im Hause, Trunksucht des Vaters, Streit-
sucht der Mutter oder der Stiefmutter oder des Stiefvaters, oder
gar der Konkubine des Vaters, aber auch Unverträglichkeit des
Mädchens selber als Ursache für leichtes Fallen, die Ergreifung
von die Sittlichkeit gefährdenden Berufsarten und gar der er-
werbsmäßigen Prostitution in Frage16.
sowie durch die aus der Weigerung des Mannes entstehende Entzweiung mit
ihrem Gefolge von Ernüchterung und Erbitterung seitens der Mutter, die
auch den Äußerungen einer späteren eventuellen Reue des Verführers bis-
weilen zu widerstehen vermag. Vgl. auch die Konstellation in der prächtigen
Novelle von Guy de Maupassant, Le Pöre (in der Sammlung: Made-
moiselle Fifi, Paris 1907, Ollendorff).
144 Spann, S. 31£.
15 Du Camp, vol. II, p. 435.
16 „Belle-mere ou concubine, s’est 1a une des causes les plus £fröquentes
de la prostitution des jeunes filles du peuple. Toujours marätre, la belle-
mere! Et la concubine, donc! La jeune fille les göne: elles la poussent dans
la rue. — ‚Mon pöre 6tait avec une femme‘ röpondent souvent, pour leur
excuse, les malheureuses qui viennent se faire inscrire a la Prefecture de
Police.“ (Alfred Delvau, La Prostitution a Paris, im Paris Guide, Paris
1867, Lacroix, vol. II: La Vie, p- 1880/1881; so auch Oettingen, S. 472;
Schnapper-Arndt, Sozialstatistik, S. 541; Karl Oldenberg, Arbeiter-
schutz in Gast- und Schankwirtschaften, Jena 1902, Fischer, S. 52—54;
William Booth, S. 532.)