Full text: Sittlichkeit in Ziffern?

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Vierter Teil, 
war die Stellungnahme der öffentlichen Meinung gegenüber 
dem Vorfall: sie war einheitlich gegen die Eltern, als der Ver- 
letzung der Rechte der freien Individualität schuldig, ge- 
richtet 86. 
Das amerikanische Mädchen ist an sich zumeist schön, 
kräftig, elegant und liebenswert. Es ist schon längst vor dem 
Eintreten der Geschlechtsreife eine junge Dame von sicherem 
Wesen und Auftreten®?, Das Hauswesen, mit dem sich mehr 
als dringend notwendig zu beschäftigen als eines freien Men- 
schen unwürdig galt, trat früh aus dem Gesichtskreis der Heran- 
wachsenden zurück 8, Dagegen gab die Sitte des landesüblichen 
Verzichtes auf die Mitgift dem Mädchen ein an sich beneidens- 
wertes Recht auf Vertrauen in die Reinheit der Gefühle des 
Mannes und das Bewußtsein, nur aus Liebe geheiratet zu 
werden 8, was in Zusammenhang mit dem Bedürfnis nach 
8 Zum Wesen und Werden der Familie in Amerika besitzen wir sehr 
wertvolle Schriften. In erster Linie seien genannt: Arthur W. Calhoun, 
A. Social History of the American Family from Colonial Times to the 
Present. Cleveland 1917, Clark. 3 vols. Mit trefflichen Dokumenten über 
die Zersetzungstendenzen durch die Sklavenwirtschaft und Blutmischung; 
ferner William Fielding Ogburn, American Marriage. New York 
ı927, Holt; Harry H. Moore, The Youth and the Nation. With an Intro- 
duction by Samuel McCune Lindsay, New York 1917, Macmillan. Zur Zer- 
rüttung der amerikanischen Familie durch Krieg, Alkohol und Auto- 
mobil vgl. fernerhin auch Ernest R., Mowrer, Family Disorganization. 
Chicago 1927, Univ. of Chicago Press; Ben Lindsey and W. Evans, 
Revolt o£ Modern Youth. New York 1925, Boni and Liveright. 
87 „An American girl is never embarrassed. A child of ten years, — and 
[ would hardly except a single class of the inhabitants — receives you with 
a frankness and a good breeding which is astonishing, and I can assure you 
not unpleasing. So perfectly self possessed are they, that blushing is 
decidedly of less frequent occurrance here than with you in Germany.“ 
(Francis Lieber, The Stranger in America, London 1835, Bentley, vol. II, 
p- 121.) 
88 Ferdinand Kürnberger, Der Amerikamüde, Kulturbild (1855), 
2. Aufl., Leipzig, Reclam, S. 39—45. 
89 In Amerika war und ist die Geldheirat weiblich: die jungen Mädchen 
suchen sich den reichen Mann. Das liegt einmal eben daran, daß, von den
	        
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