Full text: Sittlichkeit in Ziffern?

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Vierter Teil. 
ohnehin vorhandenen Widerstand der Bevölkerung gegen das 
Eingehen der Ehen junger Männer mit Witwen noch weiter ver- 
stärkt: kommt es dennoch zu solchen Hochzeiten, so versammeln 
sich die Burschen nachts vor dem Hause der Eheleute zu einer 
stundenlang dauernden gräßlichen Katzenmusik, welche das 
junge Paar möglichst ärgern und am Vollzug des. Beischlafes 
hindern soll. Doch ist auch diese Tendenz national bedingt. Wie 
wir bereits berichteten, ist das Verhalten der jungen Engländer 
den Kriegerwitwen gegenüber ein völlig anderes1®, Und auch 
das der Deutschen, die ebenfalls die Kriegerwitwen nicht sitzen 
lassen. Zumal zur Zeit der Wohnungsnot waren sie, als die 
glücklichen Inhaberinnen eingerichteter Wohnungen, vielfach 
umworben. Die Wiederverheiratung Verwitweter und Geschie- 
dener hat nach dem Kriege in Deutschland so stark zugenom- 
men, daß infolgedessen im Vergleich mit der Vorkriegszeit eine 
Erhöhung des durchschnittlichen Heiratsalters stattfand 119, 
In Deutschland hat der Demobilmachungsausschuß im Inter- 
esse der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit der aus dem Felde 
heimkommenden Männer sowie der arbeitslosen ledigen Mäd- 
chen verlangt, daß zunächst die verheirateten Frauen in weitem 
Umfange zu entlassen, jedenfalls aber keine neuen einzustellen 
seien. Er war dabei von der Erwägung ausgegangen, daß Ehe- 
männer Verdienst, Ehefrauen aber einen Ernährer haben 
müssen. In vielen Fabrikbetrieben wurde es daraufhin Brauch, 
daß verheiratete Frauen nur dann beibehalten wurden, wenn 
der Mann nur unter halber Schicht beschäftigt war, und daß 
nach Besserung des Verdienstes des Mannes die verheiratete Frau, 
von der die Betriebe inzwischen fortlaufend Belege über die Ein- 
nahmen der Familie forderten, einer ledigen Konkurrentin 
10 Vgl. S. 104. ; . | 
10 Friedrich, Zahn, Die deutsche Familie und der Wiederaufbau 
unseres Volkes, Allgemeines Statistisches Archiv, Bd. ı6, Heft ı (1926), 
SQ 6
	        
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