Uneheliche Kinder aus Konkubinaten.
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mus, ‚der eben die sittliche Verwilderung des Proletariats als
logische Folgeerscheinung der kapitalistischen Gesellschafts-
ordnung hinzunehmen geneigt ist%,
Wenn es wahr ist, daß der Kampf zwischen zwei Welt-
anschauungen, wie der zwischen dem Katholizismus. und dem
Protestantismus im 16. und der zwischen Demokratie und
Aristokratie im 18. Jahrhundert, bei der Bevölkerung Un-
sicherheit in der Beobachtung der gegebenen Satzungen hervor-
ruft (Gabriel Tarde hat das so ausgedrückt: le trouble profond
apporte ä l’ancienne foi etablie, y a mis deux morales en conflit,
au detriment passager de la moralite)%®7, so ist das nur so zu
verstehen, daß der Streit zweier Ideale zumeist zwei Sitten-
formen schafft, von denen, unter den Gesichtspunkten der Kodi-
fikation gesehen, die eine rechtens, die andere unrechtens ist, die
aber beide Ausdruck kollektiven Rechtsempfindens sind.
Auch für die neuere Zeit fehlt es zumal für das erste Jahr-
zehnt des zwanzigsten Jahrhunderts, wenigstens insoweit ein-
zelne Distrikte des agrarischen Italien, wo die Landarbeiter-
schaft nicht nur, wo sie im Besitze des Wahlrechts war, sozia-
listisch wählte, sondern wirklich auch, psychologisch gesprochen,
sozialistisch fühlte, in Betracht kommen, nicht an Material. Für
einige ganz besonders stark sozialistische Gegenden des Manto-
vano liegen uns Statistiken der Staatsanwaltschaft aus dem Jahre
1896 vor, die zahlenmäßig auf ein ganz ungeheures Anwachsen
der unehelichen Geburten — mancherorts sogar bis zu gleicher
Höhe mit den ehelichen — hinweisen. Sozialistischerseits wird
dieses Faktum bereitwilligst anerkannt und in der gemein-
samen Schrift eines der hervorragendsten Praktiker und eines
der hervorragendsten Theoretiker der sozialistischen Bewegung
(revisionistischer Richtung) in Italien für das Merkmal eines
„Kulturfortschritts‘“ erklärt, nämlich als Anzeichen von dem
6 Vgl. Michels, Massenbewegungen, 5. 301.
57 Tarde, Criminalite, p. 192.